Lines, Interacting with an Idea
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Relationale Texte

Herzlich willkommen!
Das Projekt - Relationale Texte - ist Teil der Master Thesis von Lukas Zimmer und findet in der neuen Schreib- und Leseumgebung Lines statt.

Das Herzstück dieses Projektes, bildet ein Diskurs den ich währen acht Tagen zusammen mit Barbara Mauck, meiner Theorie Mentorin geschrieben habe. Funktion, Bedeutung und Potential dieser neuen Schreib- und Leseumgebung sollen im Dialog ergründet werden.

Bitte verschaffen Sie sich einen Überblick über den dreiteiligen Aufbau meiner Master Thesis unter dem Link INDEX > INGRESS und steuern Sie von dort direkt die einzelnen Teile meiner Thesis an.

Die Thesis soll Ausgangspunkt sein für weitere Überlegungen zu dieser neuen Schreibumgebung. Ich heisse Sie sehr Willkommen, an der Diskussion teilzunehmen. Mit dem Log-in hkb/hkb können Sie Texte oder Textpassagen kommentieren.

ingress | concepts


Heute, am 20.02.2011 gliedert sich das Projekt "Relationale Texte" wie folgt:

EINLEITUNG:
^^^^^^^^^^
Dieses Statement ({{694}}) zum Anfang soll Sie vertraut machen mit dem experimentellen Charakter meiner Master Thesis.
Der Ausgangstext auf dem die Diskussion basiert, und der Sie in meine Thematik einführt baut sich aus 5 Teilen auf ({{468}},{{469}},{{470}},{{471}},{{472}}).
Dieser Ausgangstext hat drei Vertiefungen, welche Sie näher an die Thematik heranführt, auf der die Diskussion aufbaut. Die Texte "Texte setzen" (Buchkultur) ({{714}}) und "Texte darstellen" (heute) ({{716}}) sind die beiden Pole, welche die sich verändernden Autor-Leser-Gestalter Bezüge untersuchen und in deren Spannungsfeld sich die vorliegende Schreibumgebung entwickelte.
Die dritte Vertiefung "the Café Society" ( {{720}}) gibt einen kurzen Überblick über die Art und Weise wie Anthon und Ich zusammenarbeiten.
Eine Literaturliste ({{719}}) gibt Ihnen einen Überblick über die Theorie, die mich die letzten 18Monate begleitete und auf deren Fundament die vorliegende Diskussion geführt wurde.


DISKUSSION:
^^^^^^^^^^
Hier finden Sie die zwei ersten Reaktionen ({{632}},{{633}}) von Barbara Mauck auf meinen Ausgangstext. Ausgehend von diesen Texten entwickelte sich die 49 Beiträge umfassende Diskussion. Sie können an jedem beliebigen Punkt mithilfe der blauen Pfeile die Gedankenstränge weiterverfolgen.


ANALYSE UND FAZIT:
^^^^^^^^^^^^^^^^
Ausgehend von diesem Beitrag ({{700}}) analysiere ich die ersten acht Tage Diskussion.
Das Fazit ({{713}}) soll nicht als Abschluss dieses Projektes angesehen werden, sondern als eine momentane Standortbestimmung.

Als wichtigen Input für weitere Diskussionen erachte ich einer der letzten geschriebenen Texte, der das Dreieck "Texte setzen", "Texte darstellen" mit der Vision "Texte konstruieren" ({{721}}) schliesst.




  • add:remove: 1.concept
Authors: hkb, lukas, barbara
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Created: 10.Jan 2011
Last edited: 22.Feb 2012
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  • 10.Jan 2011
    22.Feb 2012
  • Relationale Texte
    Relationale Texte
    lukas,
    10.01.2011
    lukas    10.01.2011  1
    lukas    10.01.2011  3
    lukas    10.01.2011  2
    lukas    10.01.2011  0
    lukas    10.01.2011  0
    lukas  Warum schreibe ich...  20.02.2011  0
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    lukas,
    10.01.2011
    Das Internet fordert uns heraus neue Umgänge mit Texten zu kultivieren. Es ist an der Zeit, dass wir uns von den tief verankerten Traditionen der Textpräsentation lösen und einen neuen Blick auf Formate und Ihre Funktionen werfen, mit denen wir Wissen vermitteln. Ivan Illych formuliert es in seinem Buch, In the Vineyard of the Text folgendermassen: "«...this is the appropriate moment to cultivate a variety of approaches to the page that have not been able to flourish under the monopoly of Scholastic reading.» (In the Vineyard of the Text).
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    •
    lukas,
    10.01.2011
    Eines der ersten Erlebnisse das mir bewusst machte, dass sich Die Art wie wir lesen und schreiben radikal ändert, waren meine ersten Recherchen auf Wikipedia vor etwas mehr als 8 Jahren.
    Ich fand es faszinierend, wie ich plötzlich, ohne grossen Aufwand in beliebig tiefe Detailgrade einer Thematik vordringen konnte. Es war eine Art der Informationsaufnahme, die ich mir immer wünschte, bis zu diesem Zeitpunkt aber nur mit grossem Aufwand mir selbst erarbeiten konnte.
    Diese Erfahrung, dass wir durch das Strukturieren und Verknüpfen von Texten und Textteilen ganz neue Wege der Informationsaufnahme eröffnen können faszinierte mich.
  • •
    •
    lukas,
    10.01.2011
    Mir wurde schnell bewusst, dass die Flexibilität mit der ich mich in diesem neuen Informationsraum, dem Internet, bewegen konnte, auf Kosten des vom Autor intendierten Lesepfades und auf Kosten einer starken Fragmentierung und visuellen Diversifizierung der Texte ging. Mir wurde klar, dass diese Art der bruchstückhaften Aneinanderreihung von Informationsfragmenten hohe Ansprüche an den Leser stellt, sollte er sicher ausserhalb moderierten Textkonzepten, wie zum Beispiel Wikipedia bewegen.
    Die Fragmentierung unseres neuen Leseraumes, die abrupten Bewegungen von einem Fragment zum nächsten führen zu der viel diskutierten Orientierungslosigkeit. Sie endet in der damit zusammenhängenden Schwierigkeit, effizient Informationen zu recherchieren oder Prozesse der Meinungsbildung konstruktiv zu gestalten. Fragen, wie wir für diesen neuen Raum unsere Texte schreiben; Fragen wie wir den neuen Raum begehen sollen und welche Rolle der Autor und der Leser in diesem Raum spielt, sind Fragen die sich uns aufdrängen.
    lukas  Texte setzen  20.02.2011  0
    lukas  Texte darstellen  20.02.2011  0
  • •
    •
    lukas,
    10.01.2011
    Zusammen mit Anthon Astrom begann ich vor etwa drei Jahren mit der intensiven Auseinandersetzung wie man diesen neuen Raum sinnvoll begehen kann. Unsere Überlegungen kreisten um die Fragen, welche Werkzeuge man dem Leser in die Hand geben muss, um die Informationsflut sinnvoll zu bewältigen und wie man den Autor zu neuen Schreibstrategien anleiten kann, die ihm erlauben auch in den neuen Medien, den Leser mit seinen stark veränderten Lesegewohnheiten abzuholen und ihn im Sinn des Autors ein Stück weit zu leiten.
    Diese Auseinandersetzungen mündeten in mehreren praktischen Umsetzungen. Wir programmierten unsere Visonen von neuen Schreib- und Leseumgebungen.
    Die Auseinandersetzung dreht sich heute vor allem um die Frage der Narration. Wir fragen uns, welche narrativen Strategien entwickelt werden müssen, damit aus der Flut von Informationen wiederum Wissen entstehen kann. Wissen also, das sich jenseits der linear-kausalen Konstruktion, die sich uns so tief eingeprägt hat, entfalten kann.
    Wir setzen uns mit der Frage auseinander, wie wir unter der Bedingungen des Netzes, also nicht mehr unter der Bedingung der Linie, sinnvolle Sequenzen von Informationen bilden können, damit auch im Internet aus Informationen Wissen entstehen kann.
    lukas  The Café Society  20.02.2011  0
    lukas  Literaturliste  20.02.2011  0
    barbara  Raum  11.02.2011  2
  • •
    •
    lukas,
    10.01.2011
    In dieser Entwicklung beobachte ich mit einem grossem Interesse, welche Rolle den Gestaltern zukommt. Ich spüre ein inneres Feuer für diese Thematik, das konstant genährt wird, weil ich immer wieder Bestätigungen finde, dass auf den Gestalter faszinierende Zeiten zukommen. Ich denke dem Gestalter kommt in der Vermittlung von Wissen in Zukunft eine Zentrale Rolle zu.
    Der Gestalter wird sich stark mit seiner Rolle im Produktionsprozess von Wissen auseinandersetzen müssen. Es geht in Zukunft für ihn darum, nicht nur die Dinge selbst zu gestalten, als vielmehr die Beziehungen zwischen den Dingen. Um sinnvolle Textstrukturen für das digitale Medium zu entwickeln, wird er vom Gestalter von Texturen zum Architekten von Strukturen werden, in denen sich Texte aufbauen lassen und sinnvoll in Beziehung zueinander setzen lassen.
    Der Designer rutscht im Produktionsprozess von Texten vor den Autor der die Texte schreibt.
    barbara    11.02.2011  3
  • Warum schreibe ich...
    Warum schreibe ich...
    lukas,
    20.02.2011
    Eine Thesis in einem System wie Lines zu schreiben braucht ein bisschen Mut. Als Autor steht man vor der Herausforderung unser Wunsch nach transparenter Informationsvermittlung, den Wunsch nach klarem Ausgang und klarem Abschluss in einem System zu bedienen, dass eigentlich konzipiert wurde die Gedanken fliessen zu lassen.
    Es ist ein Versuch eine mehr assoziative, fliessende Denkbewegung zurück in einen Rahmen zu setzen, der ein gezieltes und effizientes informieren zulässt, in diesem speziellen Fall, um in einem sinnvollen Zeitrahmen ein Urteil über die geleistete Arbeit zu ermöglichen.

    Michael Giesecke mit seinem Buch "Von den Mythen der Buchkultur zu den Visionen der InformationsgeselIschaft" (2002) und Olaf Breidbach mit seinem Buch "Neue Wissenskulturen. Wie aus Informationen und Nachrichten kulturelles Wissen entsteht" (2008) sprechen beide von einer hoffnungsvollen neuen Kommunikationskultur, die sich in Netzwerken organisiert, die Redundanz, das Sowohl-als-auch Denken und ein Stücken weit das Chaos zulassen und so der rational logischen Informationsverarbeitung in linearen Texten entgegentreten. Beide schreiben Ihre Abhandlung aber in linearer Form. Wie muss man dieses Zeichen werten? Ich vermute das Problem liegt darin, dass beide Autoren ihre Botschaft unbedingt klar und eindeutig vermitteln wollen. Es sind beides Texte die sich durch lebenslange Recherche speisen und sehr viel Passion drinsteckt. Die Autoren möchten die Gefahr nicht eingehen, dass die Botschaft in Systemen, die eben diese Redundanz und das Chaos zulassen, und wo der Leser zum alleinigen Entscheidungsträger über die Lesart des Textes mutiert, missverstanden werden.
    Ist es also eine stille Bankrotterklärung an das was Sie heimlich propagieren, oder macht sich hier eine Kluft breit, die darauf hinweist, dass wir mit der Entwicklung des Internets noch nicht dort sind, wo tatsächlich sinnvolle Kommunikation auch in solchen Behältern passieren kann? Es wäre vermessen den beiden Autoren vorzuschlagen, dass Sie Ihre eigene Schreibumgebung konzipieren müssen, die so gelesen werden kann wie Sie sich das wünschen. Oder doch nicht?
    An diesem Punkt setzt unsere Arbeit an. Wir haben uns gewagt eine Vision einer solchen Schreibumgebung zu entwickeln und ich wage mich jetzt diese Schreibumgebung im Ernstfall zu testen.

    Ich stehe vor der Herausforderung mich als Autor, Gestalter und Systementwickler einem Publikum zu erklären, welches vermutlich hinter dem Titel "Relationale Texte" einen klassischen, linear aufgebauten Text erwartete.
    Der Entscheid meine Thesis in diesem System zu schreiben soll als Respekt und Glaube an unsere Arbeit und Visionen ( siehe "Teste konstruieren" ) angesehen werden. Weiter soll diese Schreibumgebung als Anstoss funktionieren, dem forschenden Gestalter, eine ihm gerechte Umgebung zu schaffen, wo er sich mit Text dem annähern kann, was er eigentlich tagtäglich tut. Der unruhige Geist, der suchende Geist muss sich nicht zwingend in der Linie ausdrücken, wenn er sich dort nicht wohl fühlt. Für mich ist die Suche nach diesen Formen, mit dem Druck, die Gestaltung als forschende Disziplin in der Hochschullandschaft zu etablieren, so richtig lanciert worden. Meiner Meinung liegt es gerade in den Händen der Kunsthochschulen das Potential kreativen Denkens nicht in standardisierten wissenschaftlichen Paperformaten zu ertränken, sondern nach eigenständigem Umgang mit Text und somit der Vermittlung von Informationen, verschiedensten Qualitäten von Wissen zu fördern.

    Dieses Projekt soll eine Basis zum weiterarbeiten bilden. Dieses Projekt wird bewusst offen gehalten werden, dass sich weitere Gedanken und weitere Personen dem Diskurs anschliessen können. Dieses Projekt behauptet, dass die Entwicklung einer Diskussion, das Betrachten einer Fragestellung aus verschiedensten Positionen ebenso wertvoll sein kann, wie die alleinige Wiedergabe eines abgeschlossenen Gedankens. Dieses Projekt verpflichtet sich der Vision von Villem Flusser.
    "Man beginnt, wenn man auf diese Art schreibt, beim Schreiben dialogisch zu denken, zu schaffen, zu leben."

    Die Diskussion die hier entstehen wird, bildet das Herzstück meiner Thesis um die sich alle Vorarbeit, die Analyse und das Fazit gruppieren. Welche Punkte speziell untersucht werden, liegt nicht alleine in meiner Hand. In einer dialogischen Vorgehensweise, bestimmt mein Gegenüber, in diesem Fall Barbara Mauck, ebenso die Themen. Ein Stück weit gebe ich also meine Thesis aus meiner Hand. Über folgende Themen hoffe ich mehr Aufschluss zu gewinnen, auf alles weitere bin ich gespannt.

    - Was passiert im Verlauf unserer Diskussion mit der Sprache?
    - Was passiert mit der Beziehung zwischen den Autoren?
    - Können stringente Argumentationen geführt werden?
  • Texte setzen
    Texte setzen
    lukas,
    20.02.2011
    / Vertiefung Ausgangstext
    Dieser Text verfasste ich während des zweiten Semseters. Er bildet zusammen mit dem Text "Texte darstellen" die theoretische Ausgangslage, auf der sich das Lines System entwickelte.


    Texte setzen

    Textbasierte Informationsvermittlung die sich entlang einer Linie entfaltet, folgt linear kausalen Gesetzmässigkeiten. Es ist die in der Buchkultur vorherrschende Art der Informationsvermittlung, welche die letzten 500 Jahre der Kommunikationsgeschichte dominierte (Giesecke, 2006).

    Michael Giesecke weist darauf hin, wie mit aufkommen des Buchdrucks ganzheitliche, multisensorische Wahrnehmungen einer abstrakten Linearisierung des Erfahrenen wichen und das Gespräch und der Dialog zugunsten dieses effizienten Informationsprozessierens wichen.
    Der Übergang ins Buchzeitalter wird gekennzeichnet vom Übergang eines Grundmodells der Face-to-Face Kommunikation in eine interaktionsfreie, monomediale Kommunikationssituation.
    Die Linie als Grundmodell der textbasierten Infromationsvermittlung prämiert das Individuum, das sich konsequent und rational ausdrückt. Ordnung wird bevorzugt gegenüber dem Sowohl-als-auch denken. Die Produktionsprozesse sind hierarchisch organisiert. Die Aufteilung zwischen Autor, Gestalter und Leser sind klar.

    Der Autor:
    Dem Autor kommt in diesem Modell die Rolle zu, Informationen zu sammeln und als sinnvolle Einheit zu vermittelt. Der Autor startet als Leser, sammelt und verarbeitet verschiedene Inputs und übersetzt diese in seine eigene Sprache, welche neue Leser wiederum konsumieren.
    Die Hauptbeschäftigung des Autors besteht hauptsächlich im linearisieren dieser Fragmente; dem sequentialisieren von Informationen in eine Linie, die der Logik geschriebener Sprache folgt.
    Diese Texte übersetzen den Prozess des Denkens in eine Sequenz von Ursache und Reaktion.
    Der Text zeichnet sich durch eine zeitliche Entwicklung aus, der wir Leser einfach folgen können.
    In einer Zeit wo Bücher und Dokumente die dominierenden Lesemedien waren, spiegelten sich die Schreib- und Leseumgebungen stark. Der Autor schrieb seine Texte im Vorwissen, dass der Leser seinen Zeilen folgen würde.
    Die Stimme des Autors drückte sich unmittelbar aus. Der linear, kausale Akt des Informationsprozessierens war ein direkter und effizienter Weg Informationen zu kommunizieren.
    Die Autoren verstehen sich als Urheber ihrer Informationen. Die interaktionsfreie, einsame Produktion monomedial logischer Texte setzte sich als Qualitätsideal durch.

    Der Leser:
    Der ideale Leser des Linien Modells folgt den Abhandlungen eines Autors und versucht sich die Gedankengänge des Autors zu memorieren. Der Leser fasst den Text nicht als Ausgangslage auf, um seine eigenen Gedanken zwischen die Zeilen zu weben. Die Interpretation des Textes erfolgt durch die Klärung der Biographie des Autors. (Barthes)
    Die Emanzipation des Lesers erfolgt über verschiedene Stufen der visuellen Differenzierung der Texte. War die Papyrusrolle ein Exempel formal undifferenzierter Darstellung von Text, welcher der Leser nur auswendig lernen konnte, weil er sich im Text nicht orientieren konnte, so trugen moderne Texte, nicht nur durch die Unterteilung in Seitenzahlen und Kapitel sondern auch durch die Referenzierung anderer Werke zu einer Öffnung des Leseprozesses bei.

    Der Gestalter:
    Der Gestalter hat Einsicht in die Manuskripte. Er sichtet Bildmaterial und komponiert aus diesen Inhalten einen zusammenhängenden, visuell als Entität funktionierenden Ablauf, der dem Diktat der Schrift und der Linie folgt. Bilder ordnen sich der Logik der Schrift unter. (Kress, 2008)
    (...)

    Unsere Fragestellung ausgehend von „Texte setzen“:
    Das lineare Lesen postuliert eine autorzentrierte Lesart. Was die Poststrukturalisten andachten mit dem aufbrechen der gefestigten Autor-Leser Beziehung durch visuelle Intervention in die Darstellung des Geschriebenen, scheint heute mit den neuen Lesegewohnheiten im Netz („Texte darstellen“) teilweise Wirklichkeit zu werden.
    Die Frage wie man den Leser befreien kann von der autorzentrierten Rezeption eines Textes, ein Leser der seine Pfade selbst wählen kann und der sein Inneres in den Text proijeziert und nicht den Text nach seinem Äusseren Sinn befragt ist in unserem Prozess eine wichtige Frage und eine Frage die uns sehr interessiert.
  • Texte darstellen
    Texte darstellen
    lukas,
    20.02.2011
    / Vertiefung Ausgangstext
    Eine erste Version dieses Textes verfasste ich während des zweiten Semseters. Er bildet zusammen mit dem Text "Texte setzen " die theoretische Ausgangslage, auf der sich das Lines System entwickelte.


    Texte darstellen

    Der einer Linie folgende Lesefluss wird durch technologische Möglichkeiten welche digitale Oberflächen mit sich bringen stark beeinflusst.
    Der Autor verliert auf digitalen Oberflächen die Autorität Leseprozesse zu steuern. seine Möglichkeiten den Leser in seinem Sinn zu steuern. Neue Lesegewohnheiten forderst vor allem die Gestaltung heraus neue Wege zu gehen. Zwischen geschriebenem, repräsentiertem und gelesenem gehen grosse Brüche auf.

    Neil Postman beklagt, dass wir im neunen Medium Internet noch immer nach dem alten suchen. Er stellt eine Simulation des Dokumentformats fest, das angereichert wird mit Hyperlinks.
    Es gilt tatsächlich festzustellen, dass Texte noch immer in den traditionellen Schreibumgebungen geschrieben werden, während das Lesen sich dramatisch wandelt. Der Leser bewegt sich in einem Umfeld, das sich zusehends kollaborativ gestaltet. Blogs, Portale und Social Networks erziehen den Leser zu einem „selbst bestimmten Leser“, der seine eigenen Wege geht und seine Informationen aus verschiedensten Quellen zusammenstellt und an verschiedensten Orten seine Spuren hinterlässt..
    Günther Kress stellt fest, dass die aktuelle Situation durch eine zunehmende Fragmentierung und Individuation gezeichnet ist.
    Das Auseinanderdriftung ursprünglich eng gekoppelter Prozesse des Lesens und des Schreibens stehen sich also zwei verschieden Auffassungen von Text gegenüber, die zu diesem Grundkonflikt führen. Auf der einen Seite der Autor, welcher abgeschlossene Textkörper konzipiert und auf der anderen Seite der Leser und der Gestalter, der diese enrkontextualisiert und fragmentiert.

    Der Leser:
    Die neuen Technologien erlauben es dem Leser zwischen Dokumenten umherzuspringen. Suchfunktionen und Filter geben uns die Möglichkeit exakt das Stück an Information zu finden, nachdem wir gesucht haben. Geführt werden wir durch das Netz nicht mehr vom Autor, dessen vorgegebenen Text wir immer öfters verlassen sondern von unserem eigenen Zielen. Textstücke stehen als Module da, welche die Nutzer ihren Interessen und Zwecken entsprechend auswählen und ad libitum zusammensetzen. Der Leser interessiert sich nicht in erster Linie für eine klassische kohärente Schrift. Die visuelle Repräsentation der Texte gewinnt an Wichtigkeit. „Texte werden sozusagen mit Merkmalen aus der bildlichen Welt geschwängert, die aus bildlichen Umgebungen herüberwehen und seine schriftliche Form prägen. Texte auf Bildschirmen werden vom Leser immer mehr als Bilder wahrgenommen, die Eigenschaften des bildlichen annehmen, bis tief in ihr innere Grammatik.“ (Schmitz, 2006)

    Der Gestalter:
    Ulrich Schmitz hält treffend fest, dass es „mehr um Modularität als Hierarchie, mehr Design als Grammatik, mehr Blick als Lektüre, mehr Fläche als Linie, mehr flexible Bewegung als feste Ordnung und mehr Geschwindigkeit als Geduld geht“ beim neuen Lesen. „All das unterstützt den Blick und nicht die sorgfältige Lektüre.“
    Es scheint also das Zeitzalter des Gestalters angebrochen zu sein.
    Die Konsequenzen für den Designer beschreibt Günther Kress so: "Für das Design ist die ein bemerkenswerter Punkt. Der Gestalter solcher Seiten ist nicht mehr länger der Autor eines massgebenden Textes, aber er wird zum Anbieter von Material das er dem erwarteten Publikum entsprechend arrangiert. Die Fähigkeit des Designers ist die Möglichkeit Material so zu arrangieren, dass es zu Informationen für den Besucher werden kann, in Arrangements, die den Besucher interessieren könnten. Für den Besucher, den Leser also, ist Information was individuell zu Wissen transformiert werden muss, um ein ganz spezifisches persönliches Problem zu lösen.“

    Problemstellung
    Digitale Oberflächen werden immer stärker nach Kriterien des Bildes gestaltet. Es scheint sich Günther Kress These zu bestätigen, dass Bilder die auf Buchseiten auftauchen, sich der Logik der Schrift unterordnen, Texte allerdings, die auf dem Bildschirm auftauchen sich der Logik des Bildes unterordnen.
    Die Problematik die sich hier auftut ist allerdings, dass die Bewegung des Lesers zu wenig berücksichtigt wird. Heute werden abgeschlossene Flächen gestaltet. Man versucht dem Leser möglichst effizient und laut, mit dem Bewusstsein, das der Besuch des Lesers nur von kurzer Dauer sein wird, die Information zu verkaufen. Nicht selten kippen diese Bemühungen in ein visuelles Geschrei um. Der Gestalter oder Autor kümmert sich heute aber kaum darum, wie der Leser seine Reise fortsetzt.
    Wir stellen fest, dass der Leser in der Wahl seiner Pfade frei ist, also müsste es die Möglichkeiten geben, diese Reisen zu moderieren. Die Frage, wie wir die Bewegungen zwischen Informationsteilen moderieren, welche ja physisch auf dem Screen nicht mehr erfahrbar ist, sollte ins Zentrum unserer Bemühungen rücken.
  • Raum
    Raum
    barbara,
    11.02.2011
    Ist es nicht fragwürdig, inwieweit die Metaphorik des Textes als Raum leitend ist? Inwieweit also der Einbezug des sprachlichen Bildes hier einen Ausgangspunkt bildet, der sich in vielerlei Hinsicht einer bestimmten (bildgebenden) Blickackse verdankt? Was passiert, wenn ich davon ausgehe, dass die Metapher vom Text als Raum nicht in erster Linie aus der Schriftform der Sprache abgeleitet ist? Mehrere Gründe könnten ja für eine relative Unabhängigkeit dieser Metaphorik von der Schriftkultur sprechen: einerseits eine deutlich schriftunabhängige Metaphorik vom Text als Raum. So erinnert nichts an die Schrift, wenn wir im textuellen Raum Standpunkte hervorheben, Gesichtspunkte akzentuieren oder zurückweisen, Argumente ungesehen lassen andere Gedanken aufgreifen und Meinungen darlegen. Andererseits basieren die in schriftlichen Texten üblichen metatextuellen Bezüge nicht immer auf räumlichen, sondern auch auf zeitlichen Aspekten. In diesem Sinne wäre die Narration durchaus ein Anknüpfungspunkt.

    Wenn also der schriftliche Text räumliche Konzepte verwendet, wäre gleichzeitig zu fragen, ob die räumlichen Verweise überhaupt wörtlich genommen werden können oder wie stark diese Vorstellung mit gestalterischen Mitteln interagiert und somit als veränderlich zu begreifen ist.

    Welche Konzeption aber, frage ich mich, von Raum liegt dann hier als produktiveres Muster zugrunde, in dem sinnvollere Informationssequenzen erzeugt werden können?
    lukas  metaphorische...  12.02.2011  1
    lukas  Informationsvermittlu...  12.02.2011  0
  • Literaturliste
    Literaturliste
    lukas,
    20.02.2011
  • The Café Society
    The Café Society
    lukas,
    20.02.2011
    Seit vier Jahren arbeite ich nun mit mit Anthon unter dem Namen "theCafe Society" zusammen.
    Auf unserer Webseite beschreiben wir unsere Zusammenarbeit folgendermassen:

    "The Café Society works in the Woods, Zürich, on the topic of contemporary text; the effects, problems and possibilities of the transition from print to screen, and vice versa. A collaboration born in the halls of the Rietveld Academie (NL) and nourished by long discussions and working sessions in Amsterdam cafés. Our first project, the Firefox extension trails, provided a great springboard. With support from the Rietveld’s Albert Klein Preis, and BAK’s Förderpreis für Design, we could develop the application further, and release two new versions, in summer 2009 and early 2010, together with an all-new Public Library.

    Since 2007, we have continued to develop new ideas: some more experimental, and others growing into full-blown design research projects; some entirely independent, and others in collaboration with academic research institutes or independent foundations and archives. Working as an independent research group, we aim to spark and elaborate on discussions, revolving around functional software and hardware interfaces. Fusing theoretical research with practical implementations, we try to make abstract topics less abstract, through lectures, presentations and workshops.
  • •
    •
    barbara,
    11.02.2011
    Das ist eine spannende Überlegung. Die Frage nach dem Produktionsprozess von Texten und in diesem Sinne auch implizit nach der Stelle, wo Wissen generiert wird, wäre also eine Frage, die ins Feld der Kulturtechniken zielt. Definiert man das Produzieren von Text als eine Handlung, die Codes sistiert, Zeichen- und Symbolsysteme verbreitet, internalisiert und institutionalisiert, fällt auf, dass auf der gestalterischen Ebene zugleich kulturelle Codes entsichert, Zeichen gelöscht, Bilder und ggf. auch Töne neu kontextualisiert können. Und umgekehrt. Das Ineinandergreifen von Kulturtechniken wäre dann im doppelten Sinn als eine Analytik der Macht zu diskutieren, deren Bedeutungsdimension vielleicht deutlicher wird, wenn sie als heterogene Anordnung begriffen wird, in der technische, ästhetische, symbolische und politische Konzepte einer oder auch verschiedener Kulturen der Schrift, des Bildes, der Zahl, der Linie und des Körpers metaphorisch interagieren.

    Für mich ist vor diesem Ansatz fraglich, ob sich bei der hier behaupteten Umstrukturierung von einer linearen Ordnung zu einem "Text-Raumes" nicht eher um eine komplexe Aufsplitterung heterogener kultureller und technischer Konzepte in Form einer gebrochenen Linie zeigt. Im Sinne des Deleuzeschen Rhizoms, das an 6 Punkten zu erkennen wäre:

    Ein Rhizom läßt sich laut Deleuze und Guattari durch 6 Merkmale bestimmen:

    1. Prinzip der Konnexion:
    Jeder Punkt eines Rhizoms kann und muß mit jedem anderen verbunden werden. Elemente, die dabei miteinander verknüpft sind, können z.B. "politische, ökonomische und biologische Kettenglieder" sein, "semiotische Kettenteile, Machtorganisationen, Ereignisse in Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlichen Kämpfen"

    2. Prinzip der Heterogenität:
    Die Elemente des Rhizoms können nach den verschiedensten Codierungsarten miteinander verknüpft sein. Das Rhizom ist nicht hierarchisch und zentral organisiert wie eine Baumstruktur, sondern hat eine antihierarchische und dezentrale Form.

    3. Prinzip der Vielheit:
    Wesentlich im Rhizom sind nicht die Punkte, sondern die Linien, die sie verbinden. "Vielheiten werden durch das Außen definiert: durch die abstrakte Linie, die Flucht- oder Deterritorialisierungslinie, auf der sie sich verändern, indem sie sich mit anderen verbinden. Der Konsistenzplan (Raster) ist das Außen aller Vielheiten" [i] . Fluchtlinien sind also ein wesentliches Moment eines Rhizoms. Sie sind jene Teile des Rhizoms, die die segmentären Linien aufbrechen wollen. Nichtsdestotrotz besteht die Gefahr, daß die alten oder neue Segmentaritäten festgeschrieben werden.

    4. Prinzip des asignifikanten Bruchs:
    Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder entlang anderer Linien weiter.

    5. + 6. Prinzip der Kartographie und Prinzip der Dekalkomonie (=Verfahren, um Abziehbilder herzustellen)
    Ein Rhizom ist eine Karte und keine Kopie. Eine Kopie ist wie ein Baum hierarchisch aufgebaut, eine Strukturform setzt sich immer weiter fort (z.B. wenn jedes Element genau zwei Nachfolger hat), sie wird quasi kopiert. Eine Karte hingegen hat keinen hierarchischen Aufbau, sie hat im Gegensatz zur Kopie viele Eingänge, eine Kopie läuft immer "auf das Gleiche" hinaus. Das Rhizom negiert also quasi die Reduktion auf einfache Teile. Es kann versucht werden, Kopien einer Karte herzustellen. Diese sind jedoch keine genauen Reproduktionen, sondern Verfälschungen. In einer Karte verläuft der Informationsfluß antihierarchisch.

    Was passiert aber auf der gestalterischen Ebene, wenn der Designer so zu denken beginnt?
    lukas  Räume konzipieren  12.02.2011  1
    lukas  "sowohl als auch"...  12.02.2011  0
    lukas  Gestaltung von...  12.02.2011  0
  • metaphorische...
    metaphorische...
    lukas,
    12.02.2011
    Die räumlichen Verweise können nicht wörtlich genommen werden.
    Die Vorstellung eines Raumes, in dem sich Informationen ansammeln ist tatsächlich eine metaphorische Hilfskonstruktion. Es ist der Versuch einer Anzahl von Informationen einen Rahmen zu setzen. Der Rahmen soll es erlauben die Informationen in diesem limitierten Gefäss zu strukturieren.
    Olaf Breidbach stellt in seinem Buch, neue Wissensordnungen, die These auf, dass Wissen interpretierte Information ist. Er stellt fest, dass sich Wissen nicht einfach nur in der Aneinanderreihung von Informationen, sondern in der Form, in der diese Informationen zum Teil eines Ganzen werden, aus dem heraus und auf das hin wir agieren. Wissen ist demnach durch die Ordnung bestimmt, in der wir es präsentieren.

    Der Raum oder die Fläche drängen sich als neue Metapher auf und ergänzen damit die Linie als einzig grundlegendes Ordnungsmodell von typographischer Informationsvermittlung. Warum dies? Technologische Möglichkeiten, wie Filtermechanismen oder Hyperlinks, lösen den Leser immer mehr von den Autor intendierten Narrationsstrukturen welche sich bis heute meist linear entwickeln. Der Leser folgt also nicht mehr der Linie, einer sequentiellen Abfolge von Informationen, sondern bewegt sich zwischen verschiedenen Textkörpern. Die Bewegung zwischen verschiedenen Textkörpern spannt eine weitere Dimension auf.

    Lange Zeit habe ich die Fläche, als zentrales Ordnungsmodell für digitale Informationen dem Raum bevorzugt. Inzwischen spreche ich aber auch gerne wieder über den Raum, weil mir der Raum erlaubt, mich in unterschiedliche Näheverhältnisse zu einer Information zu setzen. Diese unterschiedlichen Näheverhältnisse erlauben es mir verschiedene Qualitäten eines Textes zu studieren. Bin ich nahe am Text, kann ich ihn linear lesen, bewege ich mich weg vom Text, kann ich studieren wie er kontextualisiert ist.

    Natürlich sind solche Bewegungen nur Simulationen auf einer nach wie vor zwei dimensionalen Oberfläche, dem Bildschirm. Interessant an der Metapher des Raumes, der uns als grundliegende Ordnungsstruktur dienen soll, finde ich allerdings, dass der Autor sich nicht mehr nur um die eindimensionalen Qualitäten des Textes, der Linie kümmern muss, wie dies bis heute erstaunlicherweise hauptsächlich der Fall ist, sondern dass er sich ebenso um den Kontext um die Beziehung zu den rundumliegenden Konzepten Gedanken machen muss.
    barbara  Blickachsen  12.02.2011  2
  • Informationsvermittlu...
    Informationsvermittlu...
    lukas,
    12.02.2011
    Die Frage nach dem produktiv Machen der Raum Metapher für Informationsvermittlung, lässt sich wie folgt beantworten. Beginnt der Autor sich mit räumlichen Fragen, also mit der Positionierung seines Textes im Umfeld auseinanderzusetzen, bekommt er neue Möglichkeiten den Leser auch in seiner Gewohnheit fragmentiert, sprunghaft zu lesen wieder über längere Sequenzen zu steuern und dies betrachte ich als essentiell um auch digitale Leseprozesse wieder sinnvoller zu gestalten.
  • Räume konzipieren
    Räume konzipieren
    lukas,
    12.02.2011
    Ich denke es ist falsch unsere Ansätze, wie z.B das Lines System, als ein System zu verstehen, dass kulturelle oder technische Konzepte aufsplittert und lauter gebrochene Linien produziert.

    Es ist wichtig zu verstehen, dass der gebrochene Raum durch die neuen Leseverhalten entsteht, zu dem wir durch die technologischen Innovationen ermuntert werden.
    Es geht uns genau um die Lösung dieses Problems.
    Es geht uns darum zu überlegen, wie ein Raum konzipiert werden muss, damit dieses fragmentierte Lesen vom Autor antizipiert werden kann und es in sinnvolle Bahnen lenken kann.
    barbara  Lenkungen  12.02.2011  4
  • Gestaltung von...
    Gestaltung von...
    lukas,
    12.02.2011
    Die Herausforderung für den Gestalter besteht darin, intelligente Verbindungen zwischen den einzelnen Informationen zu ermöglichen. Der Fokus des Gestalter, bewegt sich also weg von der Gestaltung des Objektes selbst, hin zu der Konzeption von Verbindungen. Eine Netzartige, digitale Struktur zeichnet sich durch Ihren flüssigen Zustand aus. Der Gestalter kommt nicht mehr in die Situation, wie beim Gestalten eines Buches, wo er einen Zustand fixiert. Im Gegenteil, er muss darum Bemüht sein Strukturen zu entwickeln, die es helfen auch komplexe, heterogene und interdisziplinäre Thematiken in sinnvolle Gefüge zu übersetzen.
    Über das Schreibtool nic-las schreiben Renée Bauer und Joachim Maier:
    "Texte im Netz sind Gefüge, kontingente Umwelten an denen man
    weiterarbeitet. Gefüge sind mehr als Notiz und Kommentar denn
    gedruckter Text. Es geht nicht eigentlich um den Prozess, mit Büchern
    einen Diskurs zu konstituieren und handfest in eine Kultur einzuschreiben, sondern darum, Anschlüsse, Möglichkeiten zum Weiterschreiben anzubieten. Eine Kultur des schwebenden Assoziierens macht den Text anschließbar an digitale Maschinchen (Suchmaschinen), macht ihn ausdrücklich kommentier-, umschreib- und sogar löschbar."
  • "sowohl als auch"...
    "sowohl als auch"...
    lukas,
    12.02.2011
    Deleuze und Guattari denken interessante Punkte an, wie eine nicht zielgerichtete, nicht kausale Kommunikation funktionieren könnte, aber für mich ist das Rhizom bloss ein abstraktes Modell, das in unserer Gesellschaft, so in dieser Form nicht funktionieren würde.
    Ich denke die hierarchische Struktur von Informationen, ist ein essentieller Teil unserer Kommunikationskultur. Ich denke es führt in unserer schnelllebigen Gesellschaft keinen Weg um die hierarchische Vermittlung von Informationen, allerdings sollten die Hierarchien nicht starr sein.
    Was mich beim Rhizom fasziniert, ist die Art des Denkens die beim Autor passiert, wenn er sich auf einen Schreibprozess mit rhizomatischem Charakter einlässt.
    Das schreiben in einem Rhizom entwickelt einen ganz anderen Denkfluss beim Autor. Ich denke unser Denken funktioniert vielschichtiger und komplexer als das wir es in einer linearen Sequenz abhandeln können.
    Die rhizomatische Vorgehensweise beschreibt für mich eine alternative. Was mich allerdings über die von Deleuze und Guattari beschriebene Struktur hinaus interessiert, ist die Frage, wie auf solche, rhizomatisch gewachsenen Strukturen zugegriffen werden kann. Hier sind wir wieder bei den Hierarchien. Ich denke es ist durchaus möglich rhizomatische Strukturen zu weben, Punkte davon dann aber wiederum gezielt und spezifisch anzusteuern oder übergreifend Themen zu filtern. Es geht darum für einen Textkörper mehrere Parallel-Hierarchien zu definieren.
    Ein Beispiel. Ich denke das System in dem wir soeben schreiben hat Aspekte einer rhizomatischen Struktur, aber nicht nur. Filtermethoden und die speziellen Tagging Methoden, lassen uns innerhalb der rhizomatischen Struktur präzise Punkte ansteuern oder übergreifend Themen abrufen.
    Es wäre interessant von Deleuze und Guattari heute zu hören, was Sie zu diesem "sowohl als auch" Textkörper sagen würden.
  • Blickachsen
    Blickachsen
    barbara,
    12.02.2011
    Mich würde hier interessieren, ob der von Dir beschriebene Perspektivwechsel und der damit verbundene Shift dessen, was lesbar wird, sich im Lines System überhaupt visualisieren lassen. Ich bin mir nicht sicher, ob hier der Kontext, aus dem sich der jeweilige Beitrag speist, sichtbar wird oder nur die Position, die er im Gesprächsverlauf einnimmt. Wäre dieses aber überhaupt noch von Bedeutung, wenn wir von einem azentralen System ausgehen? Es ist ja diese Sichtachse von Wissen, die den Begriff nicht mehr als eine vermeintlich objektive, sprich hermetische Entität aufscheinen lassen? Geht es nicht vielmehr nur noch um Bewegungen in einem "glatten Raum", einem Hypertextozean?
    lukas  Übersicht  13.02.2011  0
    lukas  Inhaltsverzeichnisse  13.02.2011  0
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  • Lenkungen
    Lenkungen
    barbara,
    12.02.2011
    Ich möchte doch noch auf das Rhizom weiter eingehen. Warum? Gehen wir also davon aus, dass das Lines System sich mit der Lösung einer nicht mehr hierarchisch ablaufenden, sondern dezentral organisierten Kommunikation beschäftigt, die ihr beobachtet habt. Ihr geht also mit Strukturen um, die dem, was Deleuze/Guattari als rhizomorph beschrieben haben, d.h. mit einem System, dass nicht mehr auf dem Gedanken einer Sender-Empfänger-Struktur, sondern eines reziproken Austausches zwischen gleichberechtigten Kommunikatoren beruht. Das wäre der gedankliche Ausgangspunkt: vorhandene, sprich veränderte rhizomorphe Strukturen, für die Lines eine gestalterischen Übersetzung bzw. Visualisierungshilfe bietet: es lassen sich beliebige Punkte verbinden, die Kommunikation verläuft nicht mehr vertikal, sondern breitet sich horizontal aus, Ordnung erfolgt nicht mehr linear, sondern in Form von Dimensionen - und ein wesentlicher Faktor: die Hauptwurzel ist als Bezugspunkt nicht mehr zwingend, sie stirbt ab, die Verzweigungen breiten sich in einem azentrisch miteinander verknüpften Geflecht aus. Führen wir also in erster Linie eine Auseinandersetzung, wie in einem gestalterischen Kontext Lines hier ein konzeptioneller Übertrag sein kann? Wie Organisationsformen visualisiert werden müssen, damit hier eine Lenkung erfolgen kann? Die Frage, die für mich hier auf der Hand liegt, wäre dann aber: ist die Idee einer Lenkung nicht schlussendlich doch zentralisierend und widerspricht somit der Beobachtung einer Interaktivität, die sich free floating im Raum bewegt und für die in dem von einem Link zum anderen der Wille des Lesers entscheidend ist. Wie geht Ihr mit dieser Problematik gestalterisch um?
    lukas  Steuerung  13.02.2011  0
    lukas  free floating vs...  13.02.2011  1
    lukas  Lines als Gespräch?  13.02.2011  0
    lukas  Baum oder Rhizom?  13.02.2011  1
  • Baum oder Rhizom?
    Baum oder Rhizom?
    lukas,
    13.02.2011
    Ich tue mich immer noch schwer Lines vom Rhizom her zu denken. Es ist ja zum Beispiel nicht möglich jeden Punkt mit jedem zu verbinden und die Inhaltsverzeichnisse führen zu einer klaren Priorisierung gewisser Posts oder Gedankenketten. Für mich ist es fruchtbarer Lines als offene hierarchische Ordnerstruktur zu denken. Ja, Lines ist wirklich sehr hierarchisch aufgebaut. Lines liegt doch eine klare Baumstruktur zugrunde. Die Querverbindungen zwischen Posts kommen erst im Inhaltsverzeichnis zustande, das man separat aufbaut.
    Die Ursprungsidee von Lines ist nicht inspiriert vom Gedanken des Rhizom. Die Ursprüngliche Idee war eng verbunden mit der Möglichkeit Ausgangstexte zu annotieren.
    Es war und ist uns immer noch ein grosses Anliegen das die Hauptwurzel, in unserem Fall also der Ausgangstext zu jeder Zeit in seiner Originalfassung gelesen werden kann. Lines ist auch so aufgebaut, dass Die Hauptwurzel sehr zentral bleibt. Ich stimme überein, dass die Hauptwurzel für Lesewege nicht zwingend ist, absterben tut Sie allerdings nicht. Für das ist das System zu hierarchisch von links nach rechts konzipiert.
    Ich stelle mir ein Rhizom wie ein Wurzelgeflecht vor ohne klaren Anfang und Ende. Lines kann sehr gut funktionieren um einen Ausgangstext von verschiednen Seiten her zu beleuchten. ( Siehe Projekt "Die Aussichten für die Schweiz sind düster")
    Siehst du warum ich mich mit dem Rhizom schwer tue?
    barbara  Henno oder Ei? Gibt...  14.02.2011  3
  • free floating vs...
    free floating vs...
    lukas,
    13.02.2011
    Ja, aber diese uneingeschränkte Interaktivität, die uns keine Schranken setzt und sich über alle sorgfältig konzipierten Narrationsstrukturen hinwegsetzt ist doch genau das Problem, das wir tagtäglich haben, wenn wir im Internet lesen.
    Die Frage die uns interessiert ist die Frage, wie moderne Texteditoren aussehen müssen. Texteditoren, die es erlauben für dieses sprunghafte Lesen zu schreiben.
    Obwohl wir in der zwischenzeit hauptsächlich auf dem Screen lesen, schreiben wir immer noch in Schreibumgebungen, die stark der Schreibmaschine gleichen und dafür geschaffen sind abgeschlossene Textkörper zu schreiben.
    Wenn wir die Seitwärtsbewegungen des Lesers aber anerkennen, dann müssen wir beginnen zu überlegen, ob wir diese Art des Lesens als Autor auch noch ein Stück weit moderieren oder steuern können.
    Lines ist daher nicht nur als rhizomorphe Struktur zu sehen, die ein möglichst freies Fliessen des Leseprozesses zulässt, sondern Lines soll eine Umgebung darstellen, in der dieses Neue Lesen stattfinden kann, aber im Gegensatz zum offenen Netz, moderiert durch einen Autor, in der Hoffnung sinnvollere Informationssequenzen entstehen zu lassen
    barbara  Paradoxe Grenzen  14.02.2011  1
  • Steuerung
    Steuerung
    lukas,
    13.02.2011
    Die Steuerung des Lesers schaue ich nicht als Nachteil an sondern als die grosse Herausforderung für Leseprozesse auf digitalen Oberflächen.
    Die Steuerung des Lesenden passiert in einem ganz frühen Schritt, nämlich bei der Konzeption der dem System immanenten Spielregeln.
    Meiner Meinung nach steuert jedes System, jeder Produktionsprozess die Art und Weise wie wir und was wir schreiben.

    Beim konzipieren des Systmes haben wir uns ganz bewusst für gewisse Restriktionen entschieden. Wir haben das Spielfeld definiert.

    Ein paar Beispiele ganz bewusst gesetzter Regeln:

    1. Editieren - Es ist nicht möglich einen Post zu editieren nachdem ein Kommentar darauf erfolgt ist. Dies führt dazu, dass Formulierungen und Präzisierungen schriftlich ausgetragen werden. Der Entstehungsprozess einer gedanklichen Präzisierung wird ersichtlich.

    2. Verlinkung - Es können nicht zwei Kommentare miteinander verlinkt werden. Dies führt zu Repetitionen ähnlicher Inhalten. Auch dies eine Massnahme, welche Formulierungsprozesse sichtbar werden lässt.

    3. Storyline - Die Möglichkeit den Entstehungsprozes eines Gedankens sichtbar zu machen. Wenn wir es in Zukunft erlauben, dass man Storylines markieren und Freunden senden kann, führt dies zu einer Priorisierung der im System vorhandenen Inhalte.

    4. Index - Die beiden Möglichkeiten Inhaltsverzeichnisse zu generieren sind grosse Eingriffe in den möglichen Gebrauch von Lines. Mit den Möglichkeiten die diese Inhaltsverzeichnisse bieten, kann der Autor steuern, welche Post gelesen werden und mit welcher Perspektive.

    Diese Entscheidungen sind Rahmenbedingungen, welche die Autoren und die Autoren wiederum die Leser dieses Systems steuern.
  • Lines als Gespräch?
    Lines als Gespräch?
    lukas,
    13.02.2011
    Ich finde es schwierig Lines als einen gestalterische Übertragung des Rhizom Gedanken zu betrachten. Lines hat die Absicht den Entstehungsprozess eines Standpunktes zu dokumentieren. Lines untersucht den Wert solcher diskursiv ausgetragenen Entwicklungen. Können wir Lines aus dem Bild des Rhizoms lösen und eher von einem Gespräch sprechen, dass 1:1 dokumentiert ist. Eine Diskussion weist viele Parallelen zu Lines auf. Man könnte sagen, dass unsere Auseinendersetzung war, wie man ein 1:1 transkribiertes Gespräch sinnvoll visualisiert. Der Zeitfilter erlaubt es zum Beispiel den Verlauf des Gespräches aufzuzeigen, er erlaubt uns die Aktivitäten nachzuvollziehen.
  • Inhaltsverzeichnisse
    Inhaltsverzeichnisse
    lukas,
    13.02.2011
    Es ist sehr wichtig, dass wir die Indexierungs Möglichkeiten (Ingress und Concepts) nicht vergessen. Betrachtet man den Textkörper alleine, gebe ich Dir Recht, dass man nur die Position im jeweiligen Gesprächsverlauf einnimmt und es wäre dann tatsächlich nur eine Bewegung in einem "glatten Raum" oder wir nennen es auch Landschaft.
    Zoomen wir jedoch die ganze Arbeit aus und arbeiten wir mit den Inaltsverzeichnissen, können wir Kontexte der einzelnen Posts darstellen. Im Screencast ( http://lines.thecafesociety.org/screencast/19359509/) siehst Du ein schönes Beispiel, wie ich zum Beispiel mit den Konzepten einen Post thematisch verorten kann.
  • Übersicht
    Übersicht
    lukas,
    13.02.2011
    Beispiel auszoomen. Zusammen mit dem Index kann der Textkörper an spezifischen Punkten angesteuert werden.
  • Henno oder Ei? Gibt...
    Henno oder Ei? Gibt...
    barbara,
    14.02.2011
    Es geht mir nicht so sehr darum, Dich in diesem Punkt festlegen zu wollen, sondern um Argumentationsketten. D.h. für mich, darüber nachzudenken, womit eine Überlegung startet und wie es dann weitergeht - dabei ist es in gewisser Weise auch nicht so wichtig, wie stringent hier gedacht wird.

    So wie ich Dich verstanden habe, begann die Überlegung mit der Feststellung, dass sich Lese- bzw. Informationsgewohnheiten aufgrund des Web stark verändert haben. Ihr habt also nach einem System gesucht, dass diese Veränderung visuell umsetzt bzw. das dieser Veränderung gerecht wird, sie repräsentiert. Die Veränderung, die ihr bemerkt habt, ist wie anders und flexibel man mittels Web in die unterschiedlichen Dimensionen einer Thematik einsteigen kann. Du nennst das zu Beginn eine "bruchstückhafte Aneinanderreihung", die auf "Kosten des vom Autor intendierten Lesepfades und auf Kosten einer starken Fragmentierung und visuellen Diversifizierung der Texte" entsteht.

    In diesem Sinne - daher meine Anmerkung - könnte man sagen, Ihr seid genau eben jener rhizomatischen Struktur begegnet, die im Zusammenhang mit dem Internet immer wieder diskutiert wird. Lines ist in diesem Sinne Eure Antwort, die eine Lösung auf eben diese Probleme und Fragestellungen versucht. Was die Frage für mich aufwirft, ob das so ist? Ist Lines die richtige Antwort, wenn das die Fragestellung ist?

    Oder ist es anders? Ist Lines ein System, das zwar aus einer Beobachtung herrührt, diese aber verlassen hat und in der Differenz zugleich seine utopische Dimension hat, indem hier eine bestimmte (bessere, neuere, angemessenere) Art von Lese- bzw. Informationsfluss proklamiert wird? Welche wäre das dann?

    Hier hätte ich gerne - und da ist es mir ganz egal, ob Baum oder Rhizom - eine Antwort.
    lukas  Neue Schreibumgebungen  14.02.2011  0
    lukas  Lesen und Schreiben  14.02.2011  0
    lukas  utopische Dimension  14.02.2011  1
  • Paradoxe Grenzen
    Paradoxe Grenzen
    barbara,
    14.02.2011
    Du schreibst, Lines hält mit der Verschiebung von einer vertikalen in eine horizontale Ordnung eine adäquate Texteditierungsmöglichkeit für das sprunghafte Lesen bereit. Es wäre also interessant, Euren Lösungsvorschlag vor dieser inhaltlichen Verschiebung zu denken.

    Der Horizont, könnte man sagen, zieht eine Grenze, die eine Rundsicht abschliesst, je nachdem, wo man steht. D.h. der Horizont ist standortbezogen und bietet von diesem ausgehend zugleich eine Übersicht an. Wäre Lines in diesem Sinne eine tour d'horizont? Wie aber geht man dann damit um, dass das Besondere am Horizont ist, dass er eine paradoxe Grenze markiert - eine Grenze, die bei der Betrachtung den Blick immer gleich schon wieder verschiebt. Kurz: man kann etwas vor einem Horizont nur dann sehen, wenn man die Sicht begrenzt. Nimmt man den Horizont selbst in den Blick, hat man ihn schon wieder von einem anderen Standpunkt aus betrachtet. Etwas vor einem Horizont sehen bzw. im Sinne der Texteditierung, die Möglichkeit zur Horizontbildung zu bieten, heisst aber, die Grenze immer in der Peripherie zu belassen.

    Wie geht ihr im System von Lines betrachtet mit dieser Paradoxie um? Könnten wir hier weiter diskutieren?
    lukas  paradoxe Grenzen?  14.02.2011  1
  • Lesen und Schreiben
    Lesen und Schreiben
    lukas,
    14.02.2011
    Ganz wichtig! es geht um Lese- und Schreibprozesse!
  • Neue Schreibumgebungen
    Neue Schreibumgebungen
    lukas,
    14.02.2011
    Genau das ist der Punkt. Wir stellen veränderte Lesegewohnheiten fest. Unserer Meinung nach, sind diese Leseprozesse in vielen Belangen nicht erfolgreich. Sie führen mehr zu Zerstreuung als zur produktiven Weiterentwicklung oder Präzisierung eines Gedanken oder Interesses.
    Das Problem sehen wir in der Tatsache, dass wir für die digitale Oberflächen unserer Texte noch immer gleich schreiben, wie für die Bücher. Der Word Editor bevorzugt immer noch die kausal lineare Denkweise.
    Nur das Lesen hat sich massiv verändert und entzieht sich so zunehmend der Steuerung durch den Autor.

    Wir sind, wie du richtig erkennst, an Lösungen interessiert, welche dieser neuen Tatsache eine Vision entgegenstellt, wie der Autor den Leser auch unter diesen neuen Bedingungen steuern kann.
    Wir sehen die Steuerung des Autors absolut nicht als negativ. Wir denken eine Informationsprozessierende Instanz ist für eine sinnvolle Informationsaufnahme auf der Seite des Lesers sehr wichtig.

    Die Frage stellt sich also. Wie müssen Schreibumgebungen aussehen, welche dem Autor die Möglichkeit geben wieder näher an die Leseprozesse gekoppelt seine Textkörper zu schreiben.
  • utopische Dimension
    utopische Dimension
    lukas,
    14.02.2011
    Lines ist tatsächlich als eine Vision anzusehen, wie Textkörper alternativ konzipiert und geschrieben werden sollten, um dadurch bessere Lese- Schrib- und Informationsflüsse zu gewährleisten.

    Folgede Punkte würde ich zu den wichtigsten Aspekten von Lines zählen:

    sinnvolle Transition anstatt gebrochene Pfade:
    Der klassische Hyperlink bindet Dokumente und Fragmente von Dokumenten im Web zusammen. Die Dokumente die miteinander verbunden werden sind nicht aufeinander abgestimmt. Gedankenflüsse, sich aufeinander aufbauende Argumentationsstränge entstehen nicht. Ich würde das als "Lost in Hyperspace" bezeichnen.
    Mit Lines fokussieren wir auf die Verbindungen zwischen den einzelnen Posts. Sehr früh hatten wir schon die Idee, dass Informationen, auch wenn Sie von verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeiten entwickelt werden, sich aufeinander beziehen sollten, um dialogische Interaktionen für den Leser zu ermöglichen.

    Entwicklung und Prozess anstatt abgeschlossene Einheit:
    Die Problematik der Leseprozesse im Netz basiert auf der Abgeschlossenheit der einzelnen Beiträge. Es findet keine dialogische Entwicklung einer Thematik statt, sondern es werden Endzustände mit harten Kanten miteinander verlinkt.
    Lines bevorzugt den Prozess gegenüber dem Endprodukt. Lines geht davon aus, dass der Entstehungsprozess einer Aussage ebenso wertvoll für das Verständnis sein kann, wie die finale, abgeschlossene Aussage selbst. Lines soll es erlauben das Denken zu dokumentieren und dem Leser dadurch zu helfen, seine Position/Meinung besser zu bestimmen.
    Wir sind der Überzeugung, dass der Leser seine Position besser bestimmen kann, wenn er eine Reihe leicht abweichender Argumentationen liest, als wenn er sich mit nicht aufeinander bezogene, in sich abgeschlossene Argumentationen konfrontiert sieht.

    Archive impliziten Wissens.
    Als Gestalter der in der Forschung tätig ist, bin ich sehr interessiert, wie implizites Wissen von einer Forschergruppe zur nächsten weitergegeben kann.
    Mit Lines sehe ich die Möglichkeit, dass die ausfransenden Ränder einer stringent ausformulierten Argumentation, die Ränder, welche die Anschlussstellen an andere damit verbundene Themas aufzeigen dokumentiert werden.
    Wer kennt das nicht, diese Frustration, dass ein finaler Text nur Bruchstücke von dem enthaltet, was eigentlich Gedacht wurde.
    Mit den Inhaltsverzeichnissen hat der Autor die Möglichkeit Themenfelder abzustecken, damit eine Thema "knetbar" bleibt und sich nicht in eine Flüssigkeit verwandelt, die man nicht mehr formen kann.
    Unsere Idee von Lines ist also die Idee, dass sich Diskurse oder Recherchen in engen thematischen Feldern abspielen. Das heisst, der Autor steckt mit Hilfe der Inhaltsverzeichnisse ein enges thematisches Feld ab, dass der Leser, wenn er an einer gewissen Stelle starkes Interesse empfindet, sich in einem Parallelstrang, wo eine ähnliche Thematik tangiert wiurde vertiefen oder diversifizieren kann.
    Die Idee von Lines ist dass eine thematische Wolke aufgebaut wird, deren Ränder weich sind, aber trotzdem als Entität fassbar sind. Lines soll ein thematisches Mäandrieren ermöglichen auch in Annäherungen und nicht nur in finalen Gedanken und so zu einem lebendigen und diversifizierten Verständnis einer Thematik führen.
    barbara  Metaphorisches und...  15.02.2011  3
  • paradoxe Grenzen?
    paradoxe Grenzen?
    lukas,
    14.02.2011
    Ich bin mir nicht sicher ob ich dich hier richtig verstehe.
    Meinst du es ist nicht Möglich die ganze Sichtweise eine Autors zu einer Thematik zu sehen, weil man immer nur die Möglichkeit hat die Herleitung einer spezifischen Aussage oder den daran anschliessenden Gedanken zu sehen und nie alle dazugehörigen Teile?
    barbara    15.02.2011  1
  • Metaphorisches und...
    Metaphorisches und...
    barbara,
    15.02.2011
    Mir ist ein Bild aufgefallen, das Du verwendest, um Lines zu erklären. Und zwar sprichst Du von einem "knetbaren" Themas. Für mich impliziert das den Wunsch nach Begriff, nach einer Aufladung von Worten also, die ansonsten glatt passieren würden. Du fasst das ins Bild der Flüssigkeiten. Lines will, um das Bild aufzugreifen, aber offensichtlich im Fluss Steine suchen, die Bedeutung tragen und dennoch im Begriff formbar sind. Kurz: die Bedeutung tragen, die man sich gemeinschaftlich erarbeitet.

    In diesem Sinne also bietet das System die Möglichkeit einer Tiefendimension an, weil man sich einklinken und mitdiskutieren kann. Und diese Tiefendiskussion zeigt sich dann aber im horizontalen Leseverlauf.

    Für mich ist das beim Schreiben (und deshalb probieren wir ja aus, ob es möglich ist, innerhalb des Systems näher an einen Begriff des Systems heranzukommen) noch nicht spürbar. Vielleicht weil ich noch nicht virtuos mit dem Texteditionsmöglichkeiten umgehe, vielleicht aber auch, weil ich in der einmal ausgelöste Diversität mit der Schwierigkeit umgehen muss, dass mein Schreibgegenüber (in diesem Fall nur Du...) seinen Standpunkt je nach dem ändern und sich so in einer Vielzahl von Diskussionssträngen verflüchtigen kann.

    In den 80er Jahren wurde ein Spiel entwickelt, das Scotland Yard heisst. Dabei versuchen verschiedene Detektive Mr. X zu fangen, der sich im Geheimen bewegt und immer nur ab und an an fest vereinbarten Punkten zeigen muss. Seine Bewegungen im Raum sind durch die Möglichkeiten der Londoner Transportmittel (Taxi, Bus, Tube, Boot) eingeschränkt, denn Mr. X kann ganz offensichtlich nicht gehen. Ist er faul? Oder kann er es nicht? Hatte er einen Unfall oder ein Handikap? Man kann darüber wild spekulieren.

    Ich habe das Bild ausgewählt, weil ich ein ähnliches
    Problem in der Anwendung von Lines spüre. Es gibt die Möglichkeit, sich zu vertiefen, aber auch die Möglichkeit sich schnell zu verflüchtigen. Es gibt ja keinen Zwang sich mit den angesprochenen Punkten zu beschäftigen, oder? Mr. X wird meist sehr schnell gefangen - bestimmt, weil er nicht laufen kann. Im Lines gibt es aber nur sehr partiell abgestimmte Regeln der Kommunikation. Kurzum: hier würde sich Mr. X immer entziehen können, weil er sich dem Spiel gar nicht stellen muss. Gehört - hier also eine weitere, diesmal provokante Frage zur Vertiefung - nicht ein gewisser Zwang im Sinne von Regeln dazu, um Kommunikation zu gewährleisten?
    lukas  Mister X wird behindert!  15.02.2011  1
    lukas  Case Studies  15.02.2011  0
    lukas  Spielregeln?  15.02.2011  2
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    barbara,
    15.02.2011
    Die Idee einer paradoxen Grenze wäre, dass man hier zwangsläufig von einer impliziten Standpunktverschiebung ausgehen muss. Auf Lines angewandt - und das wäre eine der Fragen - hiesse das: ich reagiere auf einen gelesenen Beitrag, markiere einen Punkt und lege somit meinen Standpunkt fest, von dem ich schreibe und von dessen Blickwinkel aus die Unterhaltung so gesehen den Horizont bilden würde. Wenn ich aber nun eine Rückblick mache auf die ganze Urspungsdiskussion, gibt es zwei Möglichkeiten:
    1. ich bewege mich horizontal zurück und bleibe somit im fixierten Blickpunkt gefangen und bekomme nur eine partielle Übersicht,
    2. ich verringere den Maasstab, um alles in den Blick zu nehmen, verliere damit aber meinen fixierten Standpunkt.

    Die Frage, die ich hier gestellt habe, hat sehr viel damit zu tun, dass ich davon ausgehe, dass es eine Bedeutungsverschiebung geben muss, wenn man eine vertikale Ordnung in eine horizontale überführt. Diese wäre für mich grundsätzlich zu diskutieren. Darüber hinaus ist dieser Punkt schon allein deshalb wichtig, weil es Lines schlussendlich doch in den einzelnen Beiträgen bei einer vertikalen verlaufenden Schreibweise belassen muss. D.h. hier treffen weiterhin zwei Ordnungsformen aufeinander. Wie sieht es also damit aus?
    lukas  Texte öffnen  15.02.2011  1
  • Texte öffnen
    Texte öffnen
    lukas,
    15.02.2011
    Diese Diskrepanz wird, solange wir mit Text arbeiten nicht vermeidbar sein. Die Organisation von Texten in die horizontale war während langer Zeit nicht möglich, weil uns das Format des Papiers dies nicht erlaubte. Wenn du zurückschaust und dir im Mittelalter das Format des Glossars genauer anschaust, siehst du wie man versucht hat Diskussionen auch in der horizontalen zu organisieren. Leider musste diese sehr partizipative und diskursive Art des Schreibens wegen den formalen Limitationen des Buchseite aufgegeben werden.

    Die horizontale Anordnung von einem Schreibfluss ist für mich weniger eine Umformung als eine ganz neue Art des Informationsprozessierens. in der vertikalen Organisation ist es zum Beispiel nicht möglich an unterschiedlichen Stellen eines Textes Annotationen anzubringen, die sich in unabhängigen Diskussionssträngen parallel weiterentwickeln. Das Kommentarsystem in einem Blog ist dahingehend sehr eingeschränkt. Es kann sich aus einem Leserbeitrag eine Diskussion entwickeln. Dies ist rein Formal nicht möglich.
    barbara  Luhmann zum 1.  15.02.2011  2
  • Mister X wird behindert!
    Mister X wird behindert!
    lukas,
    15.02.2011
    Gut, man kann das auch so sehen. Scotland Yard ist so konzipiert, dass es möglich ist Mister X in einem sinnvollen Zeitrahmen zu fangen. Das heisst: Die Spielregeln sind so gesetzt, dass Jäger und Verfolgter innert nützlicher Zeit aufeinander stossen. Die Einschränkung in der Bewegungsfreiheit führt schliesslich dazu, dass der real sehr grosse Raum - wären auch Bewegungen zu Fuss möglich - auf einen kleinen, in einer begrenzten Anzahl an Schritten zu durchschreitenden Raum komprimiert wird.
    Aber das ist ja genau das was du unten erwähnst. Die Spielregeln.
    Ich glaube nicht das Mister X behindert ist. Das Spiel die Spielregeln behindern ihn!
    Leider ist das Mister X Spiel noch zu analogen Zeiten entwickelt worden. Heute, wenn Scotland Yard ein interaktives Spiel wäre ( Vielleicht ist es eines), bin ich überzeugt, dass Mister X sich seine Fähigkeiten selbst zuteilen könnte.
    barbara  Selbstversorger  15.02.2011  1
  • Case Studies
    Case Studies
    lukas,
    15.02.2011
    Bisher konnten wir vier mögliche Fälle durchspielen.
    1. Die Debatte: Visualisierung einer Tagesanzeiger Diskussion (Für die Schweiz sind die Aussichten nicht attraktiv)
    2. Research: Gelesene Bücher als Ausgangsmaterial. Aufbauend auf Zitaten daraus eigene Gedanken entwickeln und übergeordnete Themas in den Inhaltsverzeichnissen sichtbar machen. (Projekt. Master Research)
    3. Dialog: Das testen wir gerade mit diesem Projekt (relationale Texte). Ein weiteres Projekt. (writing Landscapes)
    4.Vertiefung (schlechtes Wort!): Ausgangstext der kommentiert wird. Beliebig tiefe Abschweifungen.

    Alle diese Projekte sind im Lines Archiv einsehbar
  • Spielregeln?
    Spielregeln?
    lukas,
    15.02.2011
    Doch ganz bestimmt! Und das ist genau das was uns so interessiert. Wie kann man nebst inhaltlichen Regeln, die man sich in der Gruppe setzt, die Inhalte auch durch visuelle oder technische Manipulationen steuern. Stell dir zum Beispiel vor, wir hätten die maximale Zeichenanzahl per verfassten Post auf 400 oder gar 200 Zeichen beschränkt? oder wir hätten entschieden, dass Storylines, die über längere Zeit nicht mehr editiert werden ausfaden und nicht mehr lesbar sind. Das sind jetzt technisch, visuelle Manipulationen. Auf der inhaltlichen Seite könnte ich mir vorstellen, dass wir mit einer Frage oder Antwort die wir im Verlauf unserer Diskussion berührten ein neues Lines System aufsetzen, was wir übrigens gerne jederzeit machen können, und diese Frage zum Beispiel immer wieder kneten, das heisst, nicht tiefer als drei Linien gehen und dann aus einer anderen Perspektive die Frage noch einmal neu betrachten.
    Natürlich entsteht daraus nicht eine konsequente Abhandlung eines Themas, aber auch das hervorheben des "sowohl-als-auch" könnte als wertvolles Ziel definiert werden.

    Wir stehen am Anfang alle diese Möglichkeiten zu testen. Wir verstehen unser Projekt nicht als eine Lösung für ein Problem sondern als eine Rohform um daraus neue Formen des Schreibens zu entwickeln, aber dies bedingt, dass man das System seinen Bedürfnissen entsprechend anpasst, was zur Zeit leider noch nicht möglich ist, oder sich aber selbst Spielregeln auferlegt.
    ( Wir machen zur Zeit einen sehr ähnlichen Prozess auch bei einem anderen Projekt von uns durch. www.schplitzing.com)

    Ich denke es ist ganz normal, dass ein gewisser Gewöhnungsprozess vorausgeht, bis man Formen der Kommuniaktion in lines entdeckt, die einem als wertvoll erscheinen. Wir sind so stark konditioniert auf gewisse Formen des Schreibens und Lesens. Ich denke um neue Qualitäten der Informationsvermittlung zu entdecken müssen wir auch stark an unserer Erwartungshaltung arbeiten, was wir uns von einem schriftlichen Diskurs erhoffen oder erwarten.
    barbara  Auf geht es...  15.02.2011  1
    barbara  Differenzen  15.02.2011  1
  • Luhmann zum 1.
    Luhmann zum 1.
    barbara,
    15.02.2011
    Ich verstehe dann also diese Umgewichtung also als neue Art des Informationsprozessierens - ein Wort, das ich in erster Linie aus der Psychologie kenne. Kannst Du mir diesen Begriff genauer erläutern? Natürlich mit Blick auf Lines. Bei Luhmann gibt es die Unterscheidung, dass eine Mitteilung erst dann zur Information wird, wenn sie etwas Neues, Unerwartetes, vielleicht auch Irritierendes enthält. Könnte man überlegen, ob die tags in Lines diese potentiellen Umwandlungspunkte einer Mitteilung in eine Information markiert?
    lukas  Information prozessieren  16.02.2011  0
    lukas  Reevaluieren  16.02.2011  4
  • Selbstversorger
    Selbstversorger
    barbara,
    15.02.2011
    Du hast bestimmt recht: bei heutigen Bedingungen wäre Mr. X ein Selbstversorger. Meine Hypothese wäre dennoch, dass es hier um ein Entzugsmoment geht, dass im Verschwinden und Auftauchen begründet ist. Die Spielregeln sorgen schlussendlich dafür, dass der geheimnisvolle Unbekannte überhaupt zu fangen ist. Wie sähe die Frustration in beiden Richtungen aus, wenn dieses nicht der Fall wäre - vorausgesetzt ein Spiel impliziert einen Spassfaktor oder Lustgewinn? In wie weit hat dieser auch mit Einschränkungen zu tun? Gibt es an dieser Stelle noch linestaugliche Assoziationen?
    lukas  ohne Punkt  16.02.2011  1
  • Auf geht es...
    Auf geht es...
    barbara,
    15.02.2011
    Na dann: los! Du musst es mir aber erklären - womit wir direkt in den Regeln sind.
    lukas  neues Spiel?  16.02.2011  0
  • Differenzen
    Differenzen
    barbara,
    15.02.2011
    ... wobei der Begriff der Problemlösung - Lines ermöglicht das Rückverfolgen ja sehr gut - von Dir aufgebracht wurde. Wenn es sich nun aber eher um eine Entwicklung handelt, die ja eigenständig und ohne Bezug zu einer Fragestellung geschehen kann. Das Problem, das die Bewertungskriterien bei der Entdeckung von Neuem nicht unmittelbar zur Verfügung stehen, sondern hier ein Adaptionsprozess bzw. eine Evaluationsphase einsetzen muss, ist sicherlich vorhanden. Zugleich aber, und das ist ja der Punkt unserer Unterhaltung, ist es wichtig, die Behauptung des Neuartigen genau zu hinterfragen und genau zu benennen. Was ist hier konkret neu? Ist das bei Lines beinahe unmöglich und funktioniert anstattdessen nur über den Moment spürbarer Differenz zwischen zwei Möglichkeiten?
    lukas  abstrakte Neuigkeiten  16.02.2011  1
  • Information prozessieren
    Information prozessieren
    lukas,
    16.02.2011
    Was verstehe ich unter Informationen Prozessieren?
    Um Informationen zu prozessieren, brauchen wir eine Ausagangsinformation und eine Operation, die zwischen dem Ausgangsinformation und der darauf folgenden steht und die Beziehung dieser bestimmt. Unter Prozessieren verstehe ich das Weiterdenken dieses Ausgangstextes unter Berücksichtigung der intendierten Operation.
    Bezogen auf Lines heisst das, dass wir mit digitalen Oberflächen, die unbstimmt gross sind, und nur durch den Rahmen (Screen), den wir jedoch auf dieser Fläche beliebig umherschieben können, unendlich lange Prozesse lostretten können, die durch kein Seitenblättern und kein Buchdeckel unterbrochen werden.
  • Reevaluieren
    Reevaluieren
    lukas,
    16.02.2011
    Das ist ein interessanter Gedanke! Ich denke allerdings dass es nicht möglich ist, in Lines eine Information zum Stillstand zu bringen. In Lines geht es hauptsächlich um die Frage, wie Texte in narrative Ketten eingewoben werden könne, wie also ein zusammenhängender Gedanke über mehrere Posts prozessiert werden kann. Die Information bleibt immer diesselbe, während aber verschiedene Narrationen diesen Post unterschiedlich kontextualisieren. Das Tagging würde ich demnach eher als ein abstrakter Layer, eine Ebene anschauen, wo Informationen interpretiert und reevaluiert werden.
    lukas  narrative Ketten  18.02.2012  0
    barbara  Stille Post  17.02.2011  4
    lukas  unterschiedliche...  18.02.2012  0
    lukas  abstrakter Layer  18.02.2012  0
  • ohne Punkt
    ohne Punkt
    lukas,
    16.02.2011
    Ja, Scotland Yard zu spielen, ohne Mister X jemals zu fangen. Was für einen Sinn hätte das?
    In einem früheren Post hast du geschrieben, dass Mister X vermutlich faul oder behindert ist, weil er sich doch auf relativ einfache Art und Weise fangen lässt.
    Was kann man dieses Bild auf Lines übertragen? Könnten wir sagen der Autor (Spieler) möchte eine Antwort (MisterX gefangen) zu einer Frage finden. In diesem Fall eines behäbigen Mister X hiesse dies dass der Komplexitätsgrad einer Farge zu bewältigen ist. Du bist fähig eine abschliessende Antwort auf die Frage zu formulieren. MisterX ist gefangen.

    Kann Ich MisterX nicht fassen, so wird mir seine Geschicklichkeit immer mysteriöser. Ich stelle mir einen cleveren, wandlungsfähigen, agilen Mensch vor, der trotz verschiedenster Strategien nie fassbar wird.
    Auf inhaltlicher Ebene würde dies bedeuten, dass eine Thematik immer nur annähernd erfassbar ist. Immer wenn ich im Spiel die Nummer aufdecke und sehe dass ich nur zwei Stationen nebenan mich befinde und mir dann eine logische Startegie überlege, wie er zu fassen ist, entfieht er mir doch wieder. Es wäre für mich schwer auszuhalten, aber ich würde mir bewusst werden, wie komplex und Perspektivenabhängig Fragen beantwortbar sind. Es bleibt bei einer Annäherung an eine sehr hohe Komplexität die nie ganz zu meistern ist.

    Ich finde diese Metapher sehr schön und mir kommt Robert Giesecke in den Sinn der fordert, dass wir nebst Konsequenz, Rationalität und Ordnung, welches unserem lineraren Weltbild entspricht auch wieder Redunanz, Sowohl-als-auch Denken und Verunsicherung zulassen. Er sieht nur in diesem Umdenken eine Möglichkeit unsere aktuellen Probleme, zum Beispiel mit der Umwelt, zu lösen. Giesecke sieht in der monomedialen Vermittlung der Welt über mehrere hundert Jahre in Büchern, welche unter dem Diktat der Linie stand, unsere Entfremdung zu unserer Umwelt. Er fordert neue Strategien auch der textbasierten Infirmationsvermittlung und hofft mit den neuen Möglichkeiten der Partizipation die eben erwähnten Qualitäten wie Redunanz, Sowohl-als-auch Denken zu kultivieren.
    lukas  schöne Schwester  17.02.2011  2
  • neues Spiel?
    neues Spiel?
    lukas,
    16.02.2011
    ui, da brauche ich ein Moment damit es dann wirklich Sinn macht. Vielleicht morgen früh.
  • abstrakte Neuigkeiten
    abstrakte Neuigkeiten
    lukas,
    16.02.2011
    Was ist das wirklich neu bei Lines?
    Ich kann dir zwei konkrete Beispiele nennen, die ich bisher nicht angetroffen habe. Das Gradient Tagging. Der Post wird relativ einer Fragestellung oder einem Konzept zugeordnet , bisher war das immer nur mit zugehörig oder nicht zugehörig abhandelbar. Ein weitere Punkt, der mir neuartig erscheint, dieHorizontale, sich in die Tiefe entwickelnde Diskussion.
    Für uns ist es sehr schwierig zu benennen, wo genau die Innovation liegt. Wie du mit diesen zwei Beispielen bereits siehst, besteht Lines aus verschiedenen Teilen. Die Teile alleine sind nicht neu, aber die Kombination kann etwas entstehen lassen, das es so nicht gibt. Aber so funktioniert heute ja fast alle Innovation.
    Aber lass mich diese Frage auf einem etwas abstrakteren Level beantworten und mit dieser Frage dann auch gleich die Relevanz für weitere Projekte hervorheben.

    Was ich als weitgehend unerforscht, oder zumindest noch nicht in tausenden von Papern behandelte Fragestellung sehe, ist die Frage, wie Strukturen konzipiert werden können, die sich aus einzelnen Operationen aufbauen, partizipativ sind und zu einem Textkörper führen der ein moderiertes, mehrdimensionales Lesen zulässt. Der Schreibprozess erfolgt erst nach Konzeption dieser Grundstruktur. Der Gestalter imaginiert also ein System, dass für eine spezifische Art von Inhalt eine adäquate Lösung bereitstellt um diesen zu transportieren. Der Gestalter kann die Inhaltliche Entwicklung von diesem Textkörper beeinflussen, durch Manipulation der Operationen. Anhand einer angewandten Versuchsreihe könnten wir also untersuchen, wie Inhalte über visuelle und technische Manipulationen gesteuert werden können.
    Wow! das wäre tatsächlich eine faszinierende Frage. Wir haben dieses Thema gestern schon gestreift. Ich hoffe du verstehst was ich meine.
    barbara  Stossmichziehdich...  17.02.2011  2
  • Stille Post
    Stille Post
    barbara,
    17.02.2011
    So wie ich den Luhmann-Text verstanden habe, geht es nicht um Stillegung, sondern um Aufmerksamkeit. Der einzelne Post wäre so gesehen eher eine Mitteilung, aus der eine Information gezogen werden kann. Das Irritierende, was hier angesprochen wird, ist ein bestimmter Punkt innerhalb des Posts, der Aufmerksamkeit zu erzeugen vermag. Die Frage, wie innerhalb eines bestimmten Posts, Aufmerksamkeit gelenkt werden kann, könnte für Lines interessant sein, dann nämlich, wenn sich das System Zugriff auf sein rhetorisches Potential bekäme. Nur nebenbei wäre spannend, wie diese hier gestalterisch umgesetzt werden könnte.

    Nehmen wir aber Deinen Gedanken auf, dass es keinen Stillstand im Informationsfluss gibt. Gibt es dann einen impliziten Schwund? Ähnlich wie bei der Stillen Post, bei der ja auch eine Information weitergegeben wird, in der Übergabe aber mindestens akustisch immer auch einem gewissen Rauschen ausgesetzt ist, das dann in einen Informationsverlust bzw. -mutation mündet.

    Es wird Zeit, auch einmal über die andere Seite, über das Scheitern von Kommunikation, nachzudenken!
    lukas  Potenzial visualisieren  17.02.2011  0
    lukas  Aufmerksamkeit...  17.02.2011  0
    lukas  impliziter Schwund?  17.02.2011  2
    lukas    17.02.2011  0
  • abstrakter Layer
    abstrakter Layer
    lukas,
    18.02.2012
    Bei heutigen Bedingungen wäre Mr. X ein Selbstversorger. Meine Hypothese wäre dennoch, dass es hier um ein Entzugsmoment geht, dass im Verschwinden und Auftauchen begründet ist. Die Spielregeln sorgen schlussendlich dafür, dass der geheimnisvolle Unbekannte überhaupt zu fangen ist. Wie sähe die Frustration in beiden Richtungen aus, wenn dieses nicht der Fall wäre - vorausgesetzt ein Spiel impliziert einen Spassfaktor oder Lustgewinn? In wie weit hat dieser auch mit Einschränkungen zu tun? Gibt es an dieser Stelle noch linestaugliche Assoziationen?
  • narrative Ketten
    narrative Ketten
    lukas,
    18.02.2012
    mt recht: bei heutigen Bedingungen wäre Mr. X ein Selbstversorger. Meine Hypothese wäre dennoch, dass es hier um ein Entzugsmoment geht, dass im Verschwinden und Auftauchen begründet ist.
  • unterschiedliche...
    unterschiedliche...
    lukas,
    18.02.2012
    Spiel impliziert einen Spassfaktor oder Lustgewinn? In wie weit hat dieser auch mit Einschränkungen zu tun? Gibt es an dieser Stelle noch linestaugliche Assoziationen?
    mt recht: bei heutigen Bedingungen wäre Mr. X ein Selbstversorger. Meine Hypothese wäre dennoch, dass es hier um ein Entzugsmoment geht, dass im Verschwinden und Auftauchen begründet ist. Die Spielregeln sorgen schlussendlich dafür, dass der geheimnisvolle Unbekannte überhaupt zu fangen ist. Wie sähe die Frustration in beiden Richtungen aus, wenn dieses nicht der Fall wäre - vorausgesetzt ein Spiel impliziert einen Spassfaktor oder Lustgewinn? In wie weit hat dieser auch mit Einschränkungen zu tun? Gibt es an dieser Stelle noch linestaugliche Assoziationen?mt recht: bei heutigen Bedingungen wäre Mr. X ein Selbstversorger. Meine Hypothese wäre dennoch, dass es hier um ein Entzugsmoment geht, dass im Verschwinden und Auftauchen begründet ist. Die Spielregeln sorgen schlussendlich dafür, dass der geheimnisvolle Unbekannte überhaupt zu fangen ist. Wie sähe die Frustration in beiden Richtungen aus, wenn dieses nicht der Fall wäre - vorausgesetzt ein Spiel impliziert einen Spassfaktor oder Lustgewinn? In wie weit hat dieser auch mit Einschränkungen zu tun? Gibt es an dieser Stelle noch linestaugliche Assoziationen?
  • schöne Schwester
    schöne Schwester
    lukas,
    17.02.2011
    Die Idee des Sowohl-als-auch ist sicherlich eine spannende Denkfigur, die ihren Ursprung in der Rhetorik nimmt und hier als Moment der Öffnung verstanden wird, durch dass hermetisch agierende Figuren wie das Entweder-Oder eine Auflösung erfahren können. Das Sowohl-Als-Auch ist also immer die hübschere der beiden Schwestern und wie ich denke, auch ein wenig ein Nebelwerfer - zumeist im Einsatz für einen aussöhnenderen, besseren und partizipativeren Weltentwurf - und muss gerade deshalb auch als solcher hinterfragt und auf seine konkreten Inhalte hin gelesen werden.
    lukas  Sowohl-als-auch  17.02.2011  0
    lukas  ökologische Krise  17.02.2011  0
  • Stossmichziehdich...
    Stossmichziehdich...
    barbara,
    17.02.2011
    Genau hier schliesst Du an meinen Gedanken an, der die Frage der Lenkung bzw. tiefer liegend einer systemimmanenten Rhetork aufgreift. Mich würde das auch sehr interessieren, die Frage nämlich, wie Ihr bei der gestalterischen Weiterentwicklung von Lines Inhalte moderieren könnt.
    Nach wie vor aber halte ich es für einen absoluten Widerspruch, gleichzeitig von einem partizipativ operierenden System zu sprechen und von einem System, das durch wie auch immer geartete Manipulationen steuert. In meinen Augen wären hier zwei sehr unterschiedliche Gestalter im Spiel - aber Ihr seid natürlich auch zwei...
    Wie genau lassen sich diese Ansätze in der Kollaboration vereinen? Seid Ihr ein Stossmichziehdich oder Wolpatinger?
    lukas  Steuerung durch...  17.02.2011  0
    lukas  Wolpatinger!  17.02.2011  0
  • Aufmerksamkeit...
    Aufmerksamkeit...
    lukas,
    17.02.2011
    Dies ist bereits möglich. Wenn es innerhalb eines Posts eine Passage gibt die sehr viel Reaktionen auslöst, wird das mit den Pfeilen und den darin eingebeteten Nummern angezeigt.
  • Potenzial visualisieren
    Potenzial visualisieren
    lukas,
    17.02.2011
    Du hast recht, es wäre sehr interessant zu sehen, in der Overview, welche Posts oder welche Teile von Posts besonders viel Reaktionen bekamen. Wir könnten das gestalterisch so lösen, dass wir die viel diskutierten Passagen dunkel lassen, während wir den Rest ausfaden. Im Moment kann man nur durch gezieltes Anwählen eines Posts die Kinder sehen. Eine gleichzeitige Übersicht ist noch nicht möglich.
    Super Input! Danke
  • impliziter Schwund?
    impliziter Schwund?
    lukas,
    17.02.2011
    Interessant, ja. Gibt es einen impliziten Schwund oder ist es einfach eine Umgewichtung? Ich kann nur unseren Dialog als Anhaltspunkt nehmen. Es ist das erste grössere Lines Projekt.
    Ich stelle dahingehend einen Schwund fest, dass meine zementierten Gedanken über die Linie und das fragmentierte Lesen etwas in vergessenheit geraten sind. Ich habe mich mit gegen Rhizome gewehrt, mich mit Mister X auseinandergesetzt. Ich weiss nicht ob ich mich im linearen stillen Eigengespräch mit Mister X auseinandergesetzt hätte. Ich fand diese Bekanntschaft eigentlich sehr bereichernd.
    Ich möchte auf keinen Fall unsere Masterarbeit schön reden, aber ich sehe das mit dem Schwund nicht als Problem, denn entgegen dem Stillen Post Spiel geht bei Lines ja nichts verloren. Ich kann jederzeit zu einem Punkt zurückkehren und dort von neuem weiterdenken, wenn ich das Gefühl habe die Essenz wird immer dünner.
    Ich verspüre bei unserem Dialog dieses Bedürfnis nicht, ich bin immer noch sehr gespannt wo unsere Reise hingeht.

    Ich konnte während unserem Gespräch übrigens einen Bogen spannen, vom "Texte setzen", über "Texte darstellen" hin zu "Texte konstruieren", das ist doch ein Hinweis dass auf diese Art und Weise der Auseinandersetzung interessante Dinge passieren.
    lukas  Analyse / Fazit...  20.02.2011  7
    lukas  Texte konstruieren  20.02.2011  0
  • •
    •
    lukas,
    17.02.2011
    woran denkst du?

    Ich denke an:
    Kommunikation die dort scheitert, wo die Sender Empfänger Beziehung frontal ist, das heisst, wo eine Partei bespielt wird und sich die andere gegen Unrecht oder sublime Beeinflussung nicht wehren kann.

    Kommunikation die nicht mehr moderiert ist, wo es keinen Roten Faden gibt, wo nur noch gesprungen wird ohne Narration. Da wären wir wieder bei der Ausgangsproblematik bei Lines.
  • Steuerung durch...
    Steuerung durch...
    lukas,
    17.02.2011
    Aber das verstehe ich nicht, warum dir das ein Rätsel bleibt.
    Jede Präsentationsform, jedes Format steuert die Art wie du deine Texte schreibst.
    Die Spielregeln von Lines die haben wir gesetzt. Ich erinnere dich an einen früheren Post (Steuerung / 6.Spalte) wo ich Beispiele aufgeführt habe, wie sich die Textproduktion durch uns, die Gestalter dieses Systems steuern lassen.
    Vielleicht müssen wir zu diesem Punkt zurückkehren und dort noch einmal einsetzen.
  • Wolpatinger!
    Wolpatinger!
    lukas,
    17.02.2011
    Wolpatinger! Adler mit Nashornfüssen. Oder glaubst du uns sind die Nashornfüsse abhanden gekommen und die stolzen Adlerflügel haben sich in Spatzenflügel verwandelt? Wie siehst du das?
  • ökologische Krise
    ökologische Krise
    lukas,
    17.02.2011
    Jetzt wird es aber sehr spannend! Achtung jetzt wird es gross das Thema!
    Die gegenwärtige ökologische Krise resultiert aus einer Fehlbeziehung zwischen Mensch und Natur. Ich stimme Michel Giesecke zu, dass diese Fehlbeziehung sich auch aus einer linearen Weltsicht ableiten lässt, die während Jahrhunderten in der Buchkultur kultiviert wurde. Diese rationale logische Informationsverarbeitung, dieses individualisierte Wissensstreben hat uns schliesslich zu einem Verständnis der totalen Verwertbarkeit von allem geführt. Alles wird auf seinen Nutzen geprüft, der effizienteste, schnellste Weg ist der beste.
    Die Natur in der wir eingebettet sind und immer abhängig bleiben werden, funktioniert leider nicht so.
    Es ist doch zumindest interessant, was uns kollaboratives Arbeiten bringen wird, was und assoziative und multimodale Informationsdarstellungen bringen werden, die wieder andere Sinne fördern und dem lange Zeit einseitigen Informationsfluss entgegen treten. Alles Aspekte die mit den Neuen Medien besser gefördert werden können als mit den alten linearen. Die Sowohl-als-auch Option können wir hier mit zählen.
    Ich glaube es ist ein zu grosses Thema, das ich hier vom Zaun breche. Schön wäre es wenn wir das in einem neuen Projekt diskutieren könnten, aber die Zeit fehlt uns leider. Wichtig aber dass wir diesen grossen Rahmen im Hinterkopf behalten. Diese Feststellung und die Fragen die sie aufwirft motivieren mich sehr auf diesem Weg weiter zu denken.
  • Sowohl-als-auch
    Sowohl-als-auch
    lukas,
    17.02.2011
    Die Sowohl-als-auch Lösung
    Die Genealogie entdeckt, "dass an der Wurzel dessen, was wir erkennen und was wir sind, nicht die Wahrheit liegt und auch nicht das Sein, sondern die Äusserlichkeit des Zufalls".
    Da Sowohl-als-auch Vorgehen würde ich in diesem Dunstkreis ansiedeln, wo es darum geht die Strukturen und Ordnungen in dem eine Ansicht gewachsen ist, durch schichtenweises abtragen ihrer Verknüpfungen offenzulegen.
    Wenn ich zurück an Michael Giesecke denke, kann dies doch durchaus ein valables Vorgehen sein, unsere Konstruktionen, welche uns ein ganzes Stück weit von unserer Umwelt entfernt haben zu hinterfragen, zu lüften und so Möglichkeiten des Wandels zu ermöglichen.
  • Analyse / Fazit...
    Analyse / Fazit...
    lukas,
    20.02.2011
    Ich denke es wäre jetzt sowieso ein guter Zeitpunkt das bisher geschehene zu analysieren und ein paar Schlüsse daraus zu ziehen.
    Diese Analyse soll ein Stein im Fluss sein, der hoffentlich rundherum weiter fliesst.
    Meine Diskussion mit Barbara Mauck zieht sich zwischenzeitlich über acht Tage hinweg.
    Barbara reagierte auf zwei Stellen meines Ausgangstextes , aus denen heraus sich die Diskussion entwickelte, die inzwischen 54 Posts umfasst. Im halbtages Rhythmus reagierten wir auf die Fragen und Antworten die jeweils vom Gegenpart aufgeworfen wurden. Im Schnitt schrieb jede Partei zwei bis acht Antworten pro Runde.
    Viele Posts bleiben zur Zeit unbeantwortet, aber als potentielle Anschlussstellen für spätere Diskussionen im System erhalten.


    Themenfelder:
    Während den letzten sieben Tagen wurde die Bedeutung und das Potential von Lines in verschiedenen Themenfeldern diskutiert. Die Themenfelder überschneiden sich in vielen Punkten. Eine saubere thematische Aufgliederung ist nicht möglich. Folgende Themenfelder wurden während den letzten sieben Tagen diskutiert:

    - Raumansicht oder Bewegung im glatten Raum?
    - Verdichtungsmöglichkeiten einer Fragestellung in Lines?
    - Steuerung des Schreib- und Leseprozesses durch den Gestalter?
    - Neue Aufgabe des Gestalters


    Entwicklung der Diskussion:
    Die Diskussion lief ohne grosse technische Probleme. Die acht tägige Diskussion sind ein sehr knapper Zeitraum um sich an ein System zu gewöhnen und inhaltlich in die tiefe eines Themas vorzudringen. Es ist erfreulich festzustellen, wie sich aus anfänglich sehr grob behandelten Themen im Verlaufe der Diskussion präzisere Fragestellungen herausgeschält haben.


    Sprache:
    Die Auseinandersetzung mit Aspekten der Syntax habe ich während meines Studiums nur gestreift. Ich möchte in meiner Analyse trotzdem ein paar Aspekte hervorheben, die als Bookmark für die Zukunft gesetzt werden sollen, um eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen Aspekten, die mir sehr wichtig sind zu führen.
    Ich möchte mit meinen Beobachtungen an die Aussagen von Peter Koch/Wulf Oesterreicher und Peter Sieber anknüpfen.

    Ich zitiere aus dem Buch "Von °hdl° bis °cul8r° " aus der Duden Reihe (2006):



    Formales:
    Hier sammle ich verschiedene Beobachtungen über Probleme mit der Darstellung oder der visuellen Organisation von Lines.


    Zwischenfazit:
    Ich war sehr gespannt auf unsere erste längere Diskussion in Lines. Ein Stück weit konnten Anthon und ich ein längeres Schreibszenarios abschätzen. Auf diesen Annahmen haben wir die Spielregeln für Lines definiert und in Code oder Design manifestiert, aber der reale Test bringt doch immer wieder Neues hervor.

    Wenn ich ein Zwischenfazit ziehe dann wird dieses aus verschiedenen Reaktionen aus unserem Umfeld genährt und aus den eigenen Erfahrungen, sinnvolle Textkörper mit Lines aufzubauen ( Im Archiv ersichtlich)
    Der hier geführten Diskussion kommt im Klärungsprozess eine wichtige Rolle zu.


    Wie weiter mit Lines?
    Lines soll Ende März 2011 als Beta Version einem breiteren Publikum zugänglich werden.
    Das Projekt wird in den nächsten Monaten noch wichtige neue Features erhalten, welche durch eigene Ideen und Reaktionen und Wünsche aus dem Umfeld erwachsen sind.
    lukas  Raumansicht oder...  20.02.2011  0
    lukas  Verdichtungsmöglichke...  20.02.2011  0
    lukas  Steuerung des...  20.02.2011  0
    lukas  Entwicklung der...  20.02.2011  0
    lukas  ...ich zitiere  20.02.2011  2
    lukas  Fazit Diskussion  20.02.2011  0
    lukas  Lines und "the Café...  20.02.2011  0
  • Texte konstruieren
    Texte konstruieren
    lukas,
    20.02.2011
    Dieses Modell schliesst das Texte Dreieck zu den Autor-Leser-Gestalter Beziehungen ab und wirft einen Blick in die Zukunft.

    Texte konstruieren

    Dieses Modell möchte eine Vision postulieren, wie Systeme konzipiert werden sollten, um die Problematik der gebrochenen Lesepfade, die unter Texte darstellen besprochen werden, neu zu gestalten. Der Fokus liegt hierbei auf der Umgestaltung der Schreibprozesse, indem die Schreibumgebung und die Leseumgebung zusammenfallen. Das Hauptmerkmal dieser Prozesse ist, dass nicht mehr Texte geschrieben werden und nachgehend auf der digitalen Oberfläche präsentiert werden, sondern dass Strukturen konzipiert werden, die sich aus einzelnen operativen Prozessen aufbauen. Der Schreibprozess erfolgt erst nach der Konzeption dieser Grundstruktur.
    Jedem Wissen liegt eine Organisationstruktur zugrunde. Strukturen rücken auf digitalen Oberflächen ins Zentrum der Betrachtung, weil sich der dimensionale Raum, der sich durch die neuen Technologien aufgespannt hat, nicht mehr linear befriedigend moderieren lässt. Es müssen neue Strukturmodelle in den digitalen Raum übersetzt werden, welche eine sinnvolle Strukturierung von Informationen ermöglicht und gleichzeitig die neuen Lesegewohnheiten leiten kann. Mit neuen Strukturmodellen, werden auch neue Qualitäten der Wissensvermittlung ergründet. Es müssen Qualitäten nebst der effizienten kausalen Wissensvermittlung überprüft werden. Der Gestalter steht vor der Herausforderung für spezifisch zu vermittelnde Inhalte adequate Strukturen zu konzipieren. Dem eigentlichen Schreibprozess geht also die Frage der Präsentation von Inhalten voraus. Der Autorgestalter imaginiert Leseprozesse welche verschiedenste Qualitäten, nebst dem linear kausalen abhandeln einer Thematik vorsehen, und konzipiert dafür einen Konstruktionsplan, wie Texte, Inhalte miteinander in Beziehung gebracht werden müssten, um ein solches Leseerlebnis zu gewähren. Der Autorgestalter organisiert keine Texte zu sinnvollen Zusammenhängen. Der Autorgestalter definiert leere Gefässe, die später mit Texten gefüllt werden, und bestimmt dazugehörige Operationen. Der Autorgestalter bestimmt also die einzelnen funktionalen Elemente welche aufeinender aufbauend eine Struktur ergeben, die der Autorgestalter geplant hat. Der Autorgestalter hat durch diverse technische und visuelle Manipulationsmöglichkeiten die Chance, die zu erwartende Struktur und damit die Inhalte zu beeinflussen.Der Autor schreibt schlussendlich die Texte in demselben Umfeld wie der Leser die Texte liest. Der Autor moderiert also mögliche Lesepfade 1:1. Die daraus resultierenden Anlagen gleichen Spielen, die kollaborativ gespielt werden können, beliebig weit ausbaubar sind aber sich in einem abgeschlossenen thematischen Kreis abspielen.Der hier beschriebenen Schreibumgebungen basieren auf zwei Konstrukionsprinzipien. Der Bauplan für die Struktur und der Rahmen und die Distanz mit der solche Strukturen visualisiert werden können. Diese Zwei Aufgaben sollen in der Rolle des Autorgestalters dargelegt werden:

    Folgende bestimmende Teile liessen sich aus einer solchen Theorie ableiten:

    Operatoren:
    Texte sollen als Operatoren begriffen werden. Ihnen ist in Abhängigkeit zu ihren umliegenden Texten eine Position auf einem Feld zugewiesen. Ihre Position ist durch einen klaren Konstruktionsplan definiert. Ein und derselbe Text können in unterschiedlichen Grundstrukturen unterschiedlich kontextualisert werden und haben dementsprechend auch eine unterschiedliche Meinung, Sie werden unterschiedlich interpretiert.

    Operationen:
    Die Operationen bestimmen, wie Texte miteinander verknüpft werden. Die Operationen werden vom Autorgestalter definiert. Die Operationen sind der Mantel, das kinetische Potential eines im System präsenten Operators.
    Die in einer Kette ausgeführten Operationen führen zu einer Struktur, die mittels geeigneter Rahmung begangen oder visualisiert werden kann.
  • Raumansicht oder...
    Raumansicht oder...
    lukas,
    20.02.2011
    Dieses Themenfeld untersucht welche Ansichten dem Leser auf den Textkörper geboten werden.
    (Lukas Zimmer) spricht über die Metapher Raum als Hilfskonstruktion um virtuelle Informationen zu Rahmen und zu organisieren und um darin sinnvolle Wissensordnungen oder Strukturen, in denen Wissen wachsen kann aufzubauen. (Barbara Mauck) zweifelt daran, ob die Texte in Lines räumlich erlebt werden können. (BM) sieht in erster Linie nur Bewegungen in einem "glatten Raum".
    (LZ) sieht die distanzierte Ansicht, in den Inhaltsverzeichnissen (Concept) verwirklicht, wo die Texte durch Punkte repräsentiert auf einer Fläche angeordnet werden können. Kontexte werden sichtbar. Durch die Repräsentationen der Texte durch Punkte, wird die Möglichkeit geschaffen, nebst der Einordnung eines Posts in einen Gedankenfluss, was automatisch passiert, ihn zusätzlich in einem thematischen Kontext zu organisieren.

    Kommentar: Die Thematik wurde nicht weiter ausdiskutiert. Meiner Meinung nach wäre hier ein zentraler Punkt der geklärt werden müsste:
    Kann die repräsentative Darstellung einer Information durch einen Punkt, als räumliche, herausgezoomte Darstellung der originalen Information angeschaut werden? Für mich ist diese Frage zur Zeit zu komplex um zu beantworten. Ich müsste mehr Zeit in das Verständnis von Raum investieren.
    Diese komplizierte Frage ruft nach einem Ort in Lines, wo man gemeinsam, Post übergreifend an Definitionen arbeiten kann. Zur Zeit wäre dies im Ingress möglich.
  • Verdichtungsmöglichke...
    Verdichtungsmöglichke...
    lukas,
    20.02.2011
    Von (BM) wird die Frage aufgeworfen, ob Themen in Lines verdichtet werden können. Sie stellt bei Lines die Tendenz fest, dass sich Themen verflüchtigen, weil es für den Gegenpart einfach ist, auf andere Details eines Gesprächs einzugehen als die vom Schreibenden intendierten. (BM) wirft die Frage auf, wann Kommunikation scheitert.
    (LZ ) macht in seinen Aussagen deutlich, dass die effiziente Abhandlung einer Thematik, die definitive Ausformulierung eines Gedanken keineswegs als Ziel für Lines gelten muss. (LZ) hebt den Wert von wiederholtem Umkreisen eines Gedankens hervor und sieht in dieser Technik die eigentliche Wissensgenerierung bei Lines. Ein Wissensgewinn der mehr auf Sensibilisierung als auf Klärung beruht.
    Zu einem späteren Zeitpunkt nimmt (BM) das Thema noch einmal auf und fragt (LZ) ob beim Schreibprozess in Lines ein impliziter Schwund von Wissen feststellbar ist.
    (LZ) weist bei seiner Antwort auf die Aufzeichnung jedes einzelnen Gedankens hin, die bei einer abflachenden Diskussion jederzeit wieder angesteuert und weitergedacht werden können.

    Kommentar: Die Problematik der Verflüchtigung von Wissen sehe ich nicht akkut.
    Es wäre interessant in zukünftigen Gesprächen auf das Potential nicht linearer, kausal logischen Kommunikationsformen einzugehen.
  • Steuerung des...
    Steuerung des...
    lukas,
    20.02.2011
    Eine ganz wichtiges Thema, das im Gespräch zur Rede kam, ist die Frage nach den Steuerungsmöglichkeiten der Inhalte und des Lesers durch den Gestalter der das System konzipierte.
    Es ist ein zentraler Punkt der Debatte, der immer wieder neu angedacht wurde und schliesslich zum Text "texte konstruieren" führte, welche das Dreieck von Texten schliesst, die( LZ ) zum Thema Autor-Leser-Gestalter Beziehung schrieb.
    (BM) sieht Steuerung und freie Wahl des Lesers als unvereinbare Gegensätze. (LZ) weist darauf hin, dass jedes Format und damit jede Präsentationsform von Text mitbestimmt, wie geschrieben wird. Er weist darauf hin, dass durch das definieren der Spielregeln, schon sehr viele Weichen gestellt werden, wie schliesslich Texte geschrieben werden und damit wie gedacht wird. Er macht explizit auf ein paar Regeln aufmerksam, die er und Anthon bewusst für Lines gesetzt haben und versucht aufzuzeigen, wie diese Entscheidungen den Formulierungsprozess eines Gedankens stark beeinflussen.
    (LZ) sieht in Systemen, wo Schreib-, Gestaltungs- und Leseumgebungen zusammenfallen die Möglichkeit der direkten Einflussnahme des Gestalter auf den Prozess des Schreibens durch die Manipulation der Spielregeln oder Rahmenbedingungen.

    Kommentar: Die Diskussion ist sehr zentral für unsere Arbeit und unsere Visionen. Es wäre sehr interessant anhand einer Serie angewandter Versuche zu untersuchen, wie Inhalte über visuelle und technische Manipulation gesteuert werden können.
    Lines könnte ein sehr geeignetes Tool für eine derartige Untersuchung sein.
  • Entwicklung der...
    Entwicklung der...
    lukas,
    20.02.2011
    Die anfängliche grobe und meiner Meinung nach etwas oberflächliche Abhandlung von Themen, wie z.B die Rhizom Thematik, basiert auf eine nur wenig ausgearbeiteten gemeinsamen Basis. Die Entscheidung die Mentoratsstunden hauptsächlich in die Diskussion zu investieren gingen auf Kosten einer Vertiefung der Thematik vor der Diskussion. Es war für Barbara schwierig das ganze Potential der Inhaltsverzeichnisse (Ingress und Concept) zu erahnen, weil bis zu unserem Diskussionsstart noch kaum ein Beispiel mit weit entwickelten Inhaltsverzeichnissen existierten.
    Der enge Zeitplan der die Fertigstellung der Lines Beta Version und die Präsentation in Luzern für den Masterabschluss von Anthon, liess keine Zeit ein ausführliches Lines Beispielprojekt zu schreiben, wo alle Features von Lines integriert worden wären. Die Funktionalitäten liessen sich allerdings allesamt in den Screencast einsehen. (lines.thecafesociety.org)
    Die anfänglichen Schweirigkeiten bei der Diskussion machen exemplarisch sichtbar, wie wichtige es ist, dass sich Diskussionspartner ausführlich über ihr Vorhaben uabsprechen und präzise Spielregeln bestimmen, wie mit Lines gearbeitet werden soll.
    Ich folgere aus diesen ersten Erfahrungen, dass Diskussionsgruppen vermutlich nicht umher kommen, sich erst in das System einzuarbeiten, bevor ein Thema in Ihrem Sinn abgehandelt werden kann.
    Ich freue mich mit Barbara auch nach dieser Zwischenanalyse ein paar weitere Gedanken auszutauschen, zumal wir uns zwischenzeitlich näher an Kernfragen herangearbeitet haben.
  • ...ich zitiere
    ...ich zitiere
    lukas,
    20.02.2011
    Koch/Oesterreicher unterscheiden an die Sprechsituation gebundene und entbundene Kommunikation und somit Nah- , Distanz-kommunikation. Nahkommunikation ist eher konzeptionell mündlich, Distanzkommunikation eher konzeptionell schriftlich. Hinter dem, "was hier als konzeptionelle Mündlichkeit / Schriftlichkeit bezeichnet wird, verbergen sich fundamentale Charakteristika von Kommunikationssituationen. Sie lassen sich fassen mit Hilfe von Parametern wie "raum-zeitliche Nähe oder Distanz der Kommunikationspartner", "Emotionalität", "Situations- und Handlungseinbindung", (...), kommunikative Kooperation", "Dialog/Monolog", "Spontaneität", "Themenfixierung" u.s.w.
    Hinsichtlich der sprachlichen Merkmale von konzeptioneller Mündlichkeit gegenüber konzeptioneller Schriftlichkeit sind nach Sieber(1998) v.a zu nennen: sprechsprachliche lexikalische Spezifika, einfachere Syntax, markierte Wortstellung, unklare Satzgerenzen, mehr Floskeln, variationsärmere Lexik, unscharfe Kohäsionsmittel usw. Je nachdem, wo ein Text zwischen den Polen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu lokalisieren ist, werden mehr oder weniger der einzelnen Sprachmerkmale zu erwarten sein.

    Ich stelle im Verlauf unseres Gesprächs verschiedene Veränderungen bezüglich dem Gebrauch von Sprache fest. Ich möchte die verschiedenen sprachlichen Entwicklungen anhand drei Beispielen analysieren:

    - Einleitungstext
    - Entwicklung Diskussion
    lukas  Einleitungstext  20.02.2011  0
    lukas  Entwicklung Diskussion  20.02.2011  0
  • Lines und "the Café...
    Lines und "the Café...
    lukas,
    20.02.2011
    Wir sind zur Zeit stark am Überlegen, wie wir Lines am besten einem breiteren Publikum vorstellen.
    Die Feedbacks die wir aus verschiedenen Kreisen haben, ermuntern uns Lines in einem breiteren Kreis vorzustellen. Es ist nicht unser Ziel mit Lines Geld zu verdienen. Dies würde uns zwingen, uns als Software Company zu organisieren, was unseren Zielen nicht entspricht. Wir sind zur Zeit an einer Form der Verbreitung dieser Idee, wir sprechen immer noch von Idee und nicht von Software, am diskutieren, die der Vision der "theCaféSociety" sich als unabhängige Forschungsgruppe mit Themenschwerpunkt Schreiben-Lesen in neuen Medien dient.
    Lines soll noch um ein paar wichtige weitere Funktionen erweitert werden, und damit vor allem auch im akademischen Kreisen interesse wecken.
  • Fazit Diskussion
    Fazit Diskussion
    lukas,
    20.02.2011
    Der Verlauf dieser Diskussion stimmt mich sehr positiv weitere Zeit in die Entwicklung von Lines zu investieren. Für mich waren diese acht intensiven Schreibtage eine grosse Bereicherung. Mein Fokus auf das fragmentierte Lesen und die Möglichkeit dieses zu steuern wurden dank dieser Diskussion noch einmal stark erweitert. Es kommt mir vor, als wenn ich, alleine schreibend, immer vom gleichen Blickwinkel auf dasselbe Objekt gestarrt hätte und die Umrisslinien nie präzise habe zeichnen können, weil sich die Ränder der Figur in der Distanz immer wieder auflösten. Es ist, als ob mit dem Öffnen der Thematik in einem Dialog, die Umrisse der Figur über das skizzieren und erfassen des Volumens hätte weiter klären konnte. Es ist als ob diese Thematik, die während mehr als einem Jahr der Lektüre unzähliger Bücher und langen interessanten Diskussionen mit Anthon, der synchron mit mir an dieser Umrisslinie zeichnete, plötzlich einen frischen Windstoss bekommen hätte und weitere Aspekte dieser Arbeit aufgedeckt hätten. Es ist interessant, dass die Diskussion mit Barbara gespeichert ist und anschlussfähig bleibt.
    Schreiben in Lines ist aufregend, weil es erlaubt der Dynamik meiner Gedanken zu folgen. Ebenfalls als wichtig erachte ich den Punkt, dass mein Geschriebenes, sobald mein Gegenüber darauf reagiert, fixiert ist. Dies führt dazu, dass ich weiterdenken kann und mich nicht in das glätten knittriger, lebendiger Gedanken investieren muss, was zu einem verklumpen des Gedankenflusses führen kann. Die Arbeit die ich soeben mache, das geschriebene einem neuen Publikum zugänglich zu machen, mit der Hilfe der Inhaltsverzeichnisse und Filtern ist eine spannende und scheinbar zu bewältigende Aufgabe. Es scheint möglich zu sein, die fliessenden Gedanken, zurück in einen Rahmen zu übersetzen, der Aussenstehenden Möglichkeiten zum eintauchen geben. Das definitive Urteil muss ich natürlich der Jury überlassen, die hier gerne einen Kommentar hinterlassen darf.
    Mein erstes kurzes Fazit ist ein ganz kleiner Schritt Richtung Erkundung des Potenzials und der Gebrauchsmöglichkeiten dieser neuen Schreib- und Leseumgebung. Ich hoffe in ein paar Wochen eine nächste Standortbestimmung in diesem Projekt, relationale Texte, vorzunehmen. Dann in Zusammenarbeit mit anderen Personen und dem Einfluss neuer Gedanken.
  • Einleitungstext
    Einleitungstext
    lukas,
    20.02.2011
    Die Einleitung habe ich in einem separaten Word Dokument geschrieben. Über mehrere Tage verteilt habe ich immer wieder an einem stringenten Ablauf, an einer klaren, kurzen Einführung in unsere Thematik gearbeitet. Die Einführung sollte einen einfachen Einstieg in die Thematik gewähren aber trotzdem Anknüpfungspunkte für eine vertiefte Diskussion mit Barbara bieten.
    Der Text entspricht von der Produktionsweise her stark dem klassischen Verfassen eines Dokumentes. Vor der Publikation habe ich den Text mehrmals auf Rechtschreibefehler geprüft. Es ist der mit Abstand längste Text in der ganzen Diskussion.
    Dieser Einleitungstext würde nach Koch/Oesterreicher der konzeptionellen Schriftlichkeit entsprechen. Es bestand zu diesem Zeitpunkt noch keine Verbindung zu meinem Diskussionspartner. BM hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein Log-in. Dieser Text kann als Monolog ohne Verbindung zum Gegenüber, also ohne grosse Emotionale Verbindlichkeit zum Diskussionspartner beschrieben werden.
  • Entwicklung Diskussion
    Entwicklung Diskussion
    lukas,
    20.02.2011
    Während der Diskussion entwickeln sich immer öfters unmittelbare Reaktionsmuster, die von der gesprochenen Sprache herführen. Z.B werden Einleitungen wie " ja, aber.." gebraucht oder es schliessen Antworten diekt an den vorhergehenden Post an indem der Post mit "..." beginnt.
    Anfangs der Diskussion werden sehr wissenschaftliche Posts geschrieben, die im Verlauf des Gesprächs zuhnehmend mit metaphorischen Bildern angereichert werden. Zum Beispiel dient MisterX und später Wolpatinger als Metapher eine Sache zu beschreiben. Ich vermute dass sich diese Schreibweise ergeben hat, weil BM gemerkt hat, dass ich sehr gerne mit Sinnbildern und Metaphern arbeite. Um mit Koch/ Oesterreicher zu argumentieren könnte man hier von einer kommunikativen "Kooperation sprechen".
    Die Diskussion springt in den letzten Posts in eine sehr persönliches, witziges Gespräch über. BM fragt ob sich LZ mehr als Stossmichziehdich Figur oder eher als Wolpatinger fühlt, worauf LZ eine sehr persönliche Farge stellt, wie BM ihn den als Wolpatinger beschreiben würde.
    Ich würde Sieber übereinstimmen, dass die sprachliche Kohäsion im Verlauf des Gesprächs immer unschärfer wird. Ich führe das darauf zurück, dass die Gesprächspartner sich bewust sind, dass Unklarheiten nachgefragt und in einer zweiten Runde geklärt werden können. Dieser dialogische Moment und das auflösen der sprachlichen Schärfe gilt es weiter zu verfolgen.
    Ich möchte aus diesem ersten Beispiel noch keine allgemeinen Rückschlüsse über die Tendenzen der sprachlichen Entwicklung eines Lines Projektes wagen. Ich bin jedoch gespannt, ob die Entwicklung Richtung konzeptioneller Mündlichkeit die Spontaniteit und damit verbundene überraschende Gedanken resultiert oder ob die Diskussion in Geschwätz abflacht.